"Alexander" von Oliver Stone - Review
Als ich hörte dass dieser Film gedreht wird, war ich zuerst erfreut und hatte vor, ihn mir bald anzusehen. Dann kamen katastrophale Kritiken, was mich in Anbetracht des recht guten Regisseurs (Oliver Stone) verwunderte. Etliche Freunde meinten es wäre der schlechteste Film den sie seit langem gesehen hätten. Diese Meinung konnte ich – nachdem ich ihn gesehen hatte – nicht teilen, obwohl ich bei der Wahl der Filme die ich mir anschaue schon sehr selektiere.
Die älteren Verfilmungen über Alexander den Grossen habe ich nicht gesehen, so gibt es eine mit Richard Burton (1956) und eine mit William Shatner alias Kaptain Kirk von der Enterprise (1968). Das damals schon gute Filme mit großen Schlachten möglich waren, hat Altmeister Stanley Kubrick 1960 mit Spartacus bewiesen. Ein Jahr zuvor gab es natürlich auch den damals “teuersten Film aller Zeiten” Ben Hur, welcher aber durch die mäßige schauspielerische Leistung von Charlton Heston getrübt wurde.
Heutzutage konnte Oliver Stone natürlich auf die Hilfe von Computertechnik zurückgreifen. Monumentale Schlachten sind ganz im Trend, insbesondere nach dem dritten Teil der Herr der Ringe Saga, welcher in diesen Belangen vermutlich die technische Referenz aufzuweisen hat. Seit Gladiator wurde dieses Genre wieder belebt, mit Troja erlebte es seinen kommerziellen Höhepunkt (und cineastischen Tiefpunkt) doch nach Alexander, welcher in den USA und auch hierzulande total floppte, haben die Studiobosse vermutlich genug von den Sandalenschlachten gesehen.
Alexander ist ein etwas unbeholfener Versuch das gesamte Leben eines der größten Feldherren, Krieger und Politiker aller Zeiten auf Zelluloid zu verewigen. Oliver Stone hat einen Film geschaffen, den sich Genrefreunde und historisch Interessierte zwar anschauen können, sich aber nicht wundern dürfen wenn sie enttäuscht werden. Man weiß eindeutig mehr über Alexander als in diesem Film gezeigt wird, und es wird zu viel gezeigt das nicht nachweisbar ist. Seine Beziehung zu Hephaistion zum Beispiel (gespielt von Jared Letho) artet zu einer viel zu ausführlich dargestellten Schwulenbeziehung aus, die einem recht bald auf die Nerven geht. Die Schauspieler laufen ständig mit Maskara geschminkt herum, auch bei den Schlachten. Das Bisexualität zu dieser Zeit völlig normal war weiß man ja eigentlich, aber Oliver Stone wird nicht müde das zu zeigen (ich vermute dahinter teils Spekulation – das prüde Amerika soll darüber in den Medien diskutieren – tat es scheinbar nicht). Auch die Beziehung zu seiner Mutter (Angelina Jolie) wird eindringlicher beschrieben als es nötig ist, es gäbe viele andere Taten Alexanders die schon aus historischen Gründen viel wichtiger gewesen wären als familiäre Spekulationstheorien. So wird zum Beispiel die Geschichte des gordischen Knotens nicht gezeigt, ein Ereignis das zu sprichwörtlicher Berühmtheit gelangte und seit über 2 Jahrtausenden den meisten Menschen ein Begriff ist. Stattdessen wird man ständig mit androgynen Schönlingen genervt, die Alexander den Kopf verdrehen. Abhilfe schafft erst die Bettszene mit Rosario Dawson, welche die baktrische Fuerstenprinzessin Roxane spielt, die erste Frau Alexanders welche bei der Hochzeit erst dreizehn war (diese Szene authentisch zu spielen hätte in Amerika sicher den erwünschten Aufschrei der Empörung gebracht, die New Yorker Schauspielerin Rosario Dawson ist jedoch schon 26 Jahre alt).
Die vielen kleinen Details seiner Reise, die Unterwerfung vieler Stämme, Zerschlagung unzähliger Aufstände und vor allem die vielen Mord & Verschwörungsversuche welchen er entronnen ist, bleiben eher auf der Strecke. Sein Versuch der Völkerverschmelzung wird zwar ansatzweise beschrieben, Interessante Details wie die Massenhochzeit zu Susa bei der er 89 Gefolgsleute und 1000 Soldaten mit persischen Frauen verheiratetet hat bleiben aber aus, obwohl solche Aspekte sicher mehr Einblick in die Visionen des Politikers Alexander gezeigt hätten.
Optisch kann der Film leider auch nur bedingt überzeugen. Die Mazedonier sehen bei einer Versammlung aus, als würden sie mit ihren blütenweisen Gewändern Waschmittelwerbung machen. Die Perser mit ihren aufgeklebten Bärten und Schminke sehen wie verkleidete Frauen aus, und die Stadt Babylon ist so schlecht digital produziert, das man das Gefühl hat die Zwischensequenz eines Computerspieles zu sehen. Die Schlacht gegen den Perserkönig Dareios ist nicht unbedingt schlecht, aber man hat das Gefühl das das Budget gekürzt wurde und daher die digitalen Effekte etwas unrealistisch ausgefallen sind.
Kurz gesagt, wer sich auch nur ansatzweise mit der Geschichte von Alexander dem Großen beschäftigt, wird sich wundern warum Oliver Stone so eine flache anspruchslose Story verfilmt hat, da es viel mehr zu erzählen gäbe. Trotzdem empfehle ich Genrefreunden den Film zu sehen, selbst das er drei Stunden dauert kann man in Kauf nehmen. Was gäbe es denn für Alternativen über das Thema?