Die wahre Zielgruppe des Apple iPad

Der 27 Febraur wird wohl als Lehrbeispiel für Sonderfälle in die Marketinggeschichstsbücher gehen. Die Methode durch vehementes dementieren den größtmöglichen Medienrummel zu verursachen ist zwar schon uralt, aber im Falle des iPads wohl besser gelungen denn je. Vor allem wenn man bedenkt das es sich um ein seelenloses Instrument handelt, von welchem noch nicht einmal ganz klar ist welchen Nutzen es erfüllen soll. Geht es nach Steve Jobs, ist sein neuer Wurf die eierlegende Wollmilchsau der Computerbranche. Doch die sprichwörtliche Genmutation für Bauernhöfe klappt meist nur in der Phantasie der Menschen – in real ist sie oft nur so gut, als würde man einen Sportwagen mit einem Traktor kreuzen – und schon der Traktorhersteller Lamborghini wäre wohl nie auf diese Idee gekommen seine beiden Produktkategorien zu vereinen. So stellten sich bei Apples Präsentation viele Leute die Frage, was für ein Gerät ihnen da per Livestream eigentlich präsentiert wird. Ein teures Netbook ohne Tastatur? Ein Touchscreen Computer ohne vollwertigen Betriebssystem? Ein digitaler Bilderrahmen ohne Schnittstellen (wie etwa USB)? Die Antwort konnten sich selbst Apple Fans nicht verkneifen, und meinten bald es wäre lediglich ein größerer iPod Touch.
Das das iPad floppt, bleibt trotz der nicht ganz geklärten Frage nach dem Sinn eher unwahrscheinlich. Die Mobilfunkbetreiber haben teils großes Interesse bekundet, und in Kombination mit einem 24 oder 36 Monats Abo wird der finanziell kurzfristig denkende Konsument schnell über die monatlichen Gebühren hinwegsehen, wenn er ein glitzerndes iPad in der Auslage sieht und sich darüber im klaren wird das eine schnelle Unterschrift das begehrliche Produkt in seinen Besitz bringt. Schönes Design war schon immer eine Prämisse von Apple – und eine sehr wirksame Strategie. Ob der User dann – wie der Apple Chef es suggeriert – auf seiner Couch sitzen und darin lesen wird, dürfte sich erst mit der Zeit zeigen. Die Printmedien reagierten vorerst jedenfalls eher verhalten – zwar war mit der “New York Times” gleich bei der Präsentation eine traditionsreiche Marke mit an Board, doch noch ist wohl eher die Qualität als die Quantität unter Vertrag. Speziell Magazine – aufgrund der Möglichkeit Farbe darstellen zu können eindeutig die Zielgruppe des iPads – haben wohl noch nicht die von Apple erhoffte Resonanz geäußert. Auch hier ist mit dem Wired Magazine ein sehr erfolgreiches Produkt auf den digitalen Zug aufgesprungen, doch kann es mit den Auflagen von beispielsweise renommierten Modemagazinen nicht mithalten. Und diese wird Steve Jobs auch brauchen wenn die Rechung optimal aufgehen soll. Der größte Widerstand könnte somit nicht von den Apple Kunden kommen, sondern von den von Apple eigentlich erhofften neuen Großkunden – den Printmedien. Das die Musikindustrie in eine Art Geiselhaft Apples geraten ist, wird im Printbereich vielerorts auch als Warnung gesehen werden, und auf mancher Besprechung wird das Wort “Monopol” im Zusammenhang mit dem iPad schon gefallen sein.
Noch ist die Frage also nicht geklärt ob das iPad die Printmedien revolutionieren können wird. Für die Spielebranche jedenfalls ist es nur bedingt von Nutzen. Enthusiastische Gamer vermissen Knöpfe und Hardwareleistung, überhaupt ist das Spielen auf dem iPhone noch nicht wesentlich über den “Moorhuhn Faktor” hinausgewachsen, echte Gamer sehen Spiele auf Telefonen maximal als Zeitvertreib bis sie vor Konsole oder PC sitzen. Das iPad wird daran nichts ändern, es werden wie schon auf dem iPhone ein paar erfolgreiche Spiele veröffentlicht, aber Milliardensummen wie etwa mit “Call of Duty Modern Warfare 2” werden in der ersten Generation garantiert nicht lukriert, dafür fehlen die technischen Vorraussetzungen.
So bleibt es abzuwarten wie schnell der Kaufrausch nach der Veröffentlichung abklingt – und vor allem was für Produkte bis dahin von der Konkurrenz präsentiert wurden. Und dieser Moment könnte ein wichtiger Punkt in der Schlacht um die Zukunft der mobilen Users werden, kündigt sich doch in Sachen Betriebssystemen ein Gigant der Computerbranche als neuer Player an: Google will mit Chromse OS sein erstes Operating System auf den Markt bringen – sehr zum Leidwesens Microsofts, welche im Tablet Bereich zwar seit 2002 Pioniere sind, jedoch bisher nicht erfolgreich waren – Steve Ballmer macht wie es scheint um das Thema Tablet einen große Bogen, und verweist auf frühere Ladenhüter. Und sollte der wieder entflammte Tablet Hype sich als Rohrkrepierer erweisen, wäre er der lachende Dritte…

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