Volkswagen L1 - hat Piech das Auto neu erfunden? Und wann geht es in Serie?

Volkswagen L1 Philipp HolzbauerVolkswagen L1 ein Liter Auto 2009Volkswagen L1 ein Liter Auto 2009Volkswagen L1 ein Liter Auto 2009PAC-Car IISchlörwagen Göttinger Ei Familienfahrzeug Prototyp

Viel hat die Menschheit von der Krise noch nicht gelernt. Managerboni für Pleitegeier stärken nicht gerade das Vertrauen in die Politiker, welche noch am ehesten etwas gegen diese Form der Selbstbedienung hätten unternehmen können. Was ist mit den unzähligen anderen Branchen die unter der Krise litten, und die nun von den Banken im Stich gelassen werden? Zuerst wurde jenen geholfen, die durch die Subprime Krise den Stein ins Rollen brachten. Es ist absurd: Staatshilfe für Banken, weil die mit latenten Drohungen signalisiert haben, das ohne ihnen überhaupt nichts mehr ginge. Alleine die Aussage "Die Banken müssen einander wieder vertrauen" geisterte als Synonym dafür durch die Medien, wie sehr die Menschheit jenen Leuten alle Macht überlassen hat, die mit dem Instrument handeln welches ursprünglich den Handel hätte erleichtern sollen: dem Geld.


Doch die Banken waren nicht die einzigen denen massive Unterstützung seitens der Politik gewiß war. Die "Big Three" der Automobilbranche in den USA – General Motors, Chrysler und Ford – konnten dank dem frisch gewählten Prasidenten Barack Obama einen wahren Geldregen in Milliardenhöhe auf ihre Konten prasseln lassen, allen voran GM. Obama hätte es sich nach seiner Inauguration unmöglich leisten können, einen großen US Konzern in Chapter 11 (Insolvenzrecht der Vereinigten Staaten)zu schicken. Und auch in Europa waren es immer die Autohersteller denen als erstes künstliches Mitleid geschenkt wurde. "Es hängt zu viel dran" war die oft gehörte Begründung warum denn gerade die Automobilindustrie durch Abwrackprämien unterstützt werden müsse. Zu viele Jobs würden verloren gehen wenn man nicht massiv Steuergelder aufwenden würde. Welche Zeitung würde schon mehr als einen Artikel über einen Erzeuger von Kinderspielzeug oder einen Strumpfhersteller rausbringen? Diese Verlierer der Krise würden bald in Vergessenheit geraten…


Doch gerade die Automobilindustrie hätte auf die Krise entsprechend reagieren müssen. Klar, der Ölpreis ist aufgrund der auftragsarmen Industrie wieder gesunken. Aber sobald China – die Werkbank der Welt – wieder im Auftrag westlicher Firmen Dinge in Hülle und Fülle herstellt die wir nicht brauchen, aber von westlichen Firmen in Auftrag gegeben werden, wird der Preis steigen. Die Medien lassen uns im Glauben das es in Kürze Autos geben werde, welche erheblich weniger Benzin verbrauchen würden. Wie eine Wunderwaffe wurde über den Toyota Prius berichtet, als der Ölpreis die 100 $ Marke knackte – was übrigens, symptomatisch für die Krise, von einem einzigen Spekulanten ausgelöst wurde. Hybrid Fahrzeuge sind eine notwendige Waffe um den Ölverbrauch zu reduzieren. Aber ihren Sinn entfalten sie eigentlich nur in der Stadt durch den Stop and Go Verkehr und die Energierückgewinnung beim bremsen. Auch neue Technologien, welche den Motor abschalten sobald das Auto an einer Ampeln steht, sind zu begrüßen. Das größte Sparpotential liegt aber auf unseren Autobahnen.


Volkswagen hat kürzlich mit der Neuauflage des "L1" Einliterauto von 2002 ein Signal in die Zukunft gesetzt. Um richtig Benzin zu sparen, muß nämlich der Luftwiderstand gesenkt werden, ein Aspekt über den kaum berichtet wird. Wenn man sich die Geschichte des Automobils anschaut, wird einem schnell eine Sache klar. Seit jeher mußte vorne immer Platz für zwei Personen sein. Als wäre es absolut notwendig, das sobald zwei Personen fahren (ohnehin nicht sehr oft der Fall) diese auch nebeneinander sitzen können. Dabei sollte selbst einem kleinen Kind klar sein, das dies nicht gerade der Stromlinienform dienlich sein kann. Wenn man von Fahrzeugen redet die für den Überlandverkehr gedacht sind, sollte aber genau diesen Aspekt mehr Bedeutung beigemessen werden. Studien gibt es viele, alle mit ähnlich faszinierenden Daten bezüglich Verbrauch. Warum gehen sie nicht in Serienreife?


Die Probleme mit Prototypen die auf massiven Zuspruch stoßen, sind bekannt. "Zu teuer in der Produktion" ist oft die Antwort auf den Ruf nach Serienreife. Auch der Smart lief Gefahr ein Reinfall zu werden, als er vor über 10 Jahren auf die Strassen gelassen wurde. Mittlerweile ist Smart aber profitabel, kein Wunder wenn man bedenkt wie viele auf unseren Strassen fahren, und wie teuer die Zweisitzer sind. Auch die Tatsache das ein Smart weniger Material bei der Herstellung verbraucht, dürfte in Zeiten der explodierenden Rohstoffpreise eine Rolle spielen. Die Psychologie war bei der Markteinführung des Smarts sicher ein Hindernis. Denn wer sich für einen ganzen Mann hielt, konnte doch nicht in so ein Ding einsteigen! Das solch primitives Denken nach wie vor bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielt, zeigt die Menge an SUV die verkauft werden. Geländefahrzeuge die sich schon bei einer Schotterstrasse schwer tun. Und nicht nur im Gelände, auf der Autobahn kämpfen sie gegen ihren eigenen Strömungswiderstand.


Klar, Leute die nur in der Stadt fahren oder selten auf der Autobahn sind mit einem Hybrid gut bedient. Was ist aber mit Berufsfahrern, oder den vielen Pendlern? Was, wenn man jemandem der beruflich nur sich selber und etwas Ballast bewegen muss, ein echtes „ein Liter Auto“ geben würde. Dessen Verbrauch so gering ist, das er nach nur einem Jahr die etwas höheren Anschaffungskosten wieder eingespielt hat? Und was wenn man diesem Menschen dann sagt, er könne ohnehin noch eine Person mitnehmen, nur würde die halt hinter ihm sitzen müssen. Doch wenn diese nicht mitfährt, würde dafür die Nutzlast wieder steigen. Will man uns allen ernstes noch immer glaubhaft machen, es gäbe keine Markt für solch ein Auto? Es ist wahrlich Zeit das Automobil zu revolutionieren. Man muß sich ja nicht unbedingt an dem symbolischen einen Liter festklammern. 1,5 Liter sind doch auch schon wesentlich weniger als die mindestens 5 die Autos nach wie vor brauchen. Sollen doch die Männer in Zukunft am Stammtisch damit prahlen wie wenig Benzin sie verbrauchen…


Ich habe die Volkswagen AG kontaktiert, und gefragt wie wahrscheinlich die Serienproduktion des L1 ist. Die Antwort war – erwartungsgemäß – nicht eindeutig:


 


Sehr geehrte Frau Holzbauer,


vielen Dank fuer Ihre E-Mail und Ihr Interesse am Volkswagen L1.


Derzeit ist noch nicht entschieden, ob und wann der L1 auf den Markt kommt.
In einem Unternehmen wie der Volkswagen AG sind lange und intensive Vorbereitungen noetig, bevor ein Fahrzeug in die Serienproduktion geht. Dabei kann es aus verschiedenen Gruenden vorkommen, dass noch kurzfristig umgestellt wird, Projekte verschoben oder unter Umstaenden sogar fallen gelassen werden.


Deshalb werden Details zu Neuerscheinungen immer erst dann endgueltig bekannt gegeben, wenn wir mit unserem Namen dafuer einstehen koennen. Sobald entsprechende Entscheidungen getroffen sind, informieren wir zunaechst die Volkswagen Haendler. Danach erfolgt auch eine generelle Bekanntgabe.


 


Wie es scheint, wird der Ölpreis erstmal wider massiv steigen müssen, damit auch seitens der Konsumenten der Druck nach solch einem innovativen Produkt groß genug ist. Volkswagen hätte die Möglichkeit Automobilgeschichte zu schreiben…

  1. Angeblich wird der L1 2013 gebaut! Mal sehen ob VW sich das traut, zu hoffen ist es…


    — L1 Driver    Jan 23, 11:57   
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