Movie Review Miami Vice 2006 / Kino Filmkritik

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Endlich! Endlich mal ein Film bei dem ich nicht im Kino eingeschlafen bin und meinen Nachbarn ins Ohr geschnarcht habe. Nachdem ich schon bei der völlig überflüssigen Reizüberflutung Namens „Fluch der Karibik 2“ in tiefste REM Phasen eingetaucht bin, und dann auch noch der zur Zelluloid gewordenen Schlaftablette „Superman Returns“ zum Opfer viel, kam die Erlösung in Form von Michael Manns neuestem Werk „Miami Vice“.
Die Vorurteile über den Film waren bei so manchem groß. Die Erinnerung an die Originalversion in Serienformat ist trotz der bald zwei Jahrzehnten die verstrichen sind, noch immer zu stark um beim Schlagwort Miami Vice nicht sofort an stilistische Schwerverbrechen am Geschmack der Zuseher zu denken. Don Johnson und ein Kerl an dessen Namen sich nicht jeder mehr erinnern wird (Philip Michael Thomas) prägten mit ihrem hippen aber leicht geschmacklosen 80er Outfits eine ganze Generation.

Doch der Zeitgeist von heutige tickt nach einer anderen Uhr, und Michael Mann´s Chronometer ist korrekt eingestellt. Seit der letzten Miami Vice Folge sind rund 17 Jahre vergangen, und der Mann hat seinen Stil geändert. Er hat uns Filme wie „Heat“ oder „Collateral“ in die Kinos gebracht, Filme die immer eines gemeinsam hatten: Die Protagonisten waren hochintelligente, und (diesmal wirklich) gut gekleidete Profis ihrer Zunft, welche entweder skrupellose Kriminelle, oder dem Gesetz nicht ganz so treue Cops waren. So ist die Neuverfilmung seiner Serie vielmehr eine Fortsetzung auf die viele Cineasten gewartet haben, nämlich das stilistische Sequel seiner zwei zuvor gedrehten Kriminalthriller. Al Pacino & Robert de Niro sahen sich in „Heat“ zum ersten mal in einem Film in die Augen, sie standen nie zuvor gemeinsam vor der Kamera. Das Michael Mann diese beiden Kaliber der Filmwelt als Erster in einem packenden Thriller vor die Kamera brachte, war für Cineasten etwas Besonderes. „Collateral“ wiederum lies Tom Cruise so cool aussehen, das sogar eingefleischte Scientology Hasser sich einen Ruck gaben, und gestanden den Film gerne gesehen zu haben. Michael Mann würde vermutlich sogar Angela Merkel cool aussehen lassen…
Wenn eine Serie zu einem Kinofilm verfilmt wird, sind meist die Dollarscheine in den Augen der Studiobosse der Grund dafür. In diesem Fall spricht alleine die verstrichene Zeit seit der letzten Folge dagegen, das ein Regisseur zu einem Film gedrängt wurde. Tatsächlich war es Jamie Foxx der auf einer Party für Muhammad Ali – M. Mann drehte einen Film über den Boxer – 20 Minuten lang auf den Regisseur einredete warum er einen Miami Vice Film drehen solle, natürlich nicht Uneigennützig da er ja die Rolle von Ricardo Tubbs übernehmen würde…
Das Ergebnis kam rund 5 Jahre später. Im krassen Gegensatz zu den bunten Farben der 80er Jahre (Flamingorosa, Palmengrün und Art-Deco-Türkis) ist die Neuverfilmung sehr düster. Die Strände aus Miami Vice wichen Floridas Highways im Neonlicht der Nacht. Warum sich zwei Undercover Cops einen Ferrari leisten können fragt man sich zwar noch immer, aber wenn blaue Flammen aus dem Auspuff speien, weil Detective “Sonny” Crockett die Nitro Einspritzung betätigt, übersieht man schnell diese Ungereimtheit.
Vielleicht um der Klischeebildung entgegen zu wirken sind die Bösen diesmal keine kubanischen Einwanderer, sondern Mitglieder der Aryan Brotherhood – einer rechtsradikalen Gruppierung die sich tatsächlich in den späten 60er Jahren im berüchtigten San Quentin Prison gebildet hat, um den Übergriffen schwarzer und lateinamerikanischer Häftlinge auf weiße Häftlinge Herr zu werden. Die arische Bruderschaft macht in den Gefängnissen der USA gerade mal einen Prozentanteil der Insassen, Experten gehen aber davon aus, das sie für bis zu 26% der gewaltsamen Übergriffe verantwortlich sind.
Die Spur führt ziemlich bald – wie sollte es anders sein – nach Südamerika wo Crockett & Tubbs alias Colin Farell und Jamie Foxx in einer etwas unrealistischen Szene das Vertrauen der Lieferanten gewinnen. Unrealistisch weil Menschen nicht so cool sein können. Fortan wird zwischen Nord & Südamerika gejettet oder mit 1000 PS Schnellbooten gefahren. Bei einem Treffen in Miami hat Crockett nichts Besseres zu tun als die Frau vom Kokainproduzenten anzubaggern woraufhin sie meint sie wüsste wo die besten Mochitos gemixt werden – nämlich auf Cuba. Dorthin gelangen sie, der Coolness der Akteure gerecht, per Schnellboot denn ob die 360 Kilometer mit so einem benzinfressenden Boot auch tatsächlich zurückzulegen wären, weiß eh kein Zuschauer. Die darauf folgende Liebesszene ist für Michael Mann typisch: etwas zu lange, ohne viele Worte aber sie haucht den sonst so übermenschlich coolen Darstellern etwas mehr Leben ein.
Vollkommen entgegen jeglicher Vernunft, und somit Realitätsnähe, stellt Tubbs in der Zwischenzeit den Lieferanten seine Freundin vor, welche daraufhin im Auftrag der Südamerikaner vom Aryan Brotherhood Abschaum in einen Trailerpark entführt wird. Auch ein Regisseur vom Format wie Michael Mann kommt ohne einem Showdown nicht aus, bessergesagt sind die letzten 25 Minuten ein Showdown mit wechselnden Kulissen, ein sehr guter noch dazu. Die Schiesserei besticht wie schon in „Heat“ durch eine sehr gute Soundkulisse, doch diesmal völlig anders weil sie nicht in hallenden Häuserschluchten stattfindet, sondern auf dem Industriegelände eines Hafens. Hervorzuheben ist die Lautstärke der Schüsse die weiter weg abgefeuert werden, und somit (Realitätsnah) eine andere Lautstärke und einen dumpferen Knall haben. Detailverliebtheit führt oft zu guten Ergebnissen. An seinen meisterhaft inszenierten Schusswechsel in “Heat”, der für viele Cineasten die beste Schiesserei der Filmgeschichte war, kommt das “inoffizielle Sequel” aber nicht ran.

Resümierend muss man sagen das Miami Vice als Kinofim – für mir erwartungsgemäß – sehr gut wurde, auch wenn ich mir insgeheim etwas mehr erwartet habe. Perfekt gefilmt, perfekter Sound, und ein sehr gutes Casting (ich habe ihn auf deutsch gesehen und kann daher nicht sagen ob Colin Farell zu recht wieder wegen seines irischen Akzents zu kritisieren wäre, wie er es bei „Alexander“ nicht zu knapp erdulden musste). Im Film wird viel mit hochmoderner Technik herumgespielt, sodas es teilweise schon etwas an James Bond Filme erinnert – eigentlich schon fast ein Manko. Die Schnellboot, Ferrari und Flugszenen sind für eine Spezialeinheit definitiv übertrieben, aber ohne selbige gibt´s auch kein Miami Vice.

Im übrigen hätte der Film ursprünglich ein anderes Ende gehabt. Doch leider stellte sich Jamie Foxx als Spielverderber dar, weil er bei den Dreharbeiten um seine Sicherheit fürchtete. So weigerte er sich in zivilen Flugzeugen transportiert zu werden und bestand auf einen eigenen Jet. Darüber hinaus wollte er nicht an Szenen in Booten oder Flugzeugen beteiligt sein, und als dann auch noch echte Schüsse am Set in der dominikanischen Republik abgefeuert wurden (der Regisseur bestand ausdrücklich auf Realitätsnähe und drehte in den Slums) packte Jamie Foxx die Angst, er daraufhin seine Koffer und weigerte sich zurückzukommen, was dazu führte das Michael Mann das Drehbuch umschreiben musste. Als ob das alles für die Person die für die Reinkarnation von Miami Vice teils zuständig war nicht schon peinlich genug wäre, beschwerte er sich auch noch darüber das Colin Farell mehr Gage bekam, insbesondere da er (Jamie Foxx) soeben erst einen Oscar gewann, und somit – vermutlich sogar zu Recht – rassisitische Gagengestaltung als Grund dafür sah. Farell verdiente an Miami Vice schlussendlich trotzdem mehr. Ob er sich darüber freuen konnte ist zu bezweifeln, er musste sich nach den Dreharbeiten in Therapie begeben da er – im wehleidigen Amerika ein weit verbreitetes Phänomen – Schmerzmittelsüchtig wurde. Die Medikamente wurden ihm ursprünglich aufgrund einer Rückenverletzung verschrieben die er sich bei den Dreharbeiten zu „Alexander“ zuzog. Wahrscheinlicher ist jedoch das er allgemein eine Therapie wegen Drogensucht machen musste, da er auch für seine Drogenexzesse bekannt ist. Ironie des Schicksals das ausgechnet jene Schauspieler die die bekanntesten Drogenfahnder der Filmgeschichte verkörpern, selber nicht vom weissen Pulver die Finger lassen können. Don Johnson, der Colin Farell mit seiner Rolle beerbte, hat schon in den achtzigern mit Kokainkonsum für Schlagzeilen gesorgt…

 




 


 

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