...asoziales sozialistisches China!

Wir kennen ja alle diese Leute die auf Urlaub sind, und sich weigern das hiesige Essen zu bestellen. Jene Leute die in der tiefsten Toscana sind, und ein Schnitzel mit Bier wollen. Das Gegenteil dazu sind hartgesottene Cosmopolit Rambos die sich brüsten, selbst einen Teller somalischer Heuschrecken nicht vom Esstisch zu stoßen. Insekten sind proteinreiche Nahrung und schmecken gar nicht so übel, für mich gehört es aber doch eher in die Kategorie jener Sachen die aus Neugierde gegessen habe um sie abzuhacken (und dann damit zu prahlen wenn ich Reiseberichte per Email über den halben Erdball jage). Definitiv ein Teil der High End Kategorie an grauslichen Essen, sind jene Speisen die unsere Chinesen in Wien nicht anbieten dürfen, weil sie schlicht und einfach verboten sind. Wer behauptet er esse problemlos und ohne die Mine zu verzucken Streetfood in China lügt – oder er hat sich den Mund vorher mit Lidokainlösung gespült (erhältlich beim Zahnarzt Deines Vertrauens) und seinen Magen mit Teflon beschichtet. Anders kann ich mir nicht vorstellen wie man gewisse Dinge, die ich heute zu Gesicht bekam, essen kann wenn man kein Chinese ist.

Der Ort des barbarischen Treibens das mir vermutlich noch lange schlaflose Nächte bereiten wird, war das chinesische Pendant zum Wiener Naschmarkt in Shenzen. Bevor ich aber ins Detail gehe, möchte ich noch zu den eher angenehmen Dingen kommen die diese Stadt zu bieten hat. Zum Beispiel einen weiblichen Bevölkerungsanteil von ca. 80%!

Die durch die Bevölkerungsexplosion leider notwendige 1 Kindpolitik in China hat zu einem großen und grausamen Problem geführt. Erstgeborene Mädchen wurden nach der Geburt einfach ertränkt, oder man entledigte sich dem ungewünschten Kind anderwärtig. Zweitgeborene waren nur der Oberschicht vorbehalten, und da für den Fortbestand der Familie noch immer männlicher Nachwuchs erwünscht war, wurden eben so lange Kinder gezeugt bis das erwünschte Geschlecht geboren war. Doch manche Mädchen haben überlebt, und kämpften sich als verstoßene Waisenkinder durchs Leben. Es wurden so viele, dass die Regierung eine Lösung suchte. Man beschloss den Mädchen eine Chance zu geben, und bot ihnen die Möglichkeit nach Shenzen zu kommen, um für einen Hungerlohn am Fließband zu arbeiten. Für Verpflegung und Unterbringung würde gesorgt, jedoch eher in einem Stil, der dem Militär entspricht. Das war vor etwa 15 Jahren. Damals war die Stadt noch ein Dorf mit 150.000 Einwohnern – für chinesische Verhältnisse darf man hier noch nicht von einer Stadt sprechen. Heute sind es 9 Millionen – Tendenz: extrem stark steigend.

Shenzen ist ein Teil des chinesischen Wirtschaftswunders und mittlerweile eine der wichtigsten Städte Chinas. Gleich an der Grenze zu Hong Kong, und eine Stunde von Guangzhou entfernt, produziert diese Stadt mit Hilfe der vielen jungen Mädchen so ziemlich alles was man sich vorstellen kann, und wofür flinke Mädchenhände gut geeignet sind. Das hier auf 8 Mädchen 2 Männer kommen prägt das Stadtbild. Vor dem ersten McDonalds der Volksrepublik China (Eröffnung 1990) sitzen Gruppen junger Mädchen auf Bänken und vertreiben sich die wenige Freizeit die ihnen zugestanden wird. Eine sieben Tage Woche mit inadäquaten, weil ausbeuterischen Stundensätzen, hat China dorthin gebracht wo es jetzt ist. Die geheimgehaltene Supermacht dieser Erde. Die USA bemühen sich noch als Supermacht angesehen zu werden, während die Regierung in Beijing sich wohler fühlt wenn das rasante Wachstum der Nation nicht allzu große Aufmerksamkeit verursacht. China übertrumpft mittlerweile so ziemlich jedes Land der Erde: Wirtschaftliches Wachstum, militärische Ressourcen, und vor allem eine Population mit der kein Staat dieser Erde auch nur annähernd mithalten kann.

Viele der Städte in China sind größer, haben mehr Wolkenkratzer und eine viel größere Population als all die Städte die jedes Kind weltweit kennt. Beispiel Chongking. Bei einem Businessgespräch der Firma Qentis, für die ich hier arbeite, wurde die Stadt erwähnt. Die Frage kam auf, wo sich die Stadt denn befinden würde – sprich, welche ist die nächstgrößere Stadt. Die Antwort war, es gibt in der Nähe keine größere Stadt. Gegenfrage: Auch wenn sie weit entfernt ist, welche ist die nächstgrößte Stadt: Beijing, Shanghai, Kanton? Antwort: Es kann keine größere Stadt geben. Chongking ist mit 33 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Erde.

Die „Sozialistische Volkrepublik China“ hat ein Manko gegenüber anderen Staaten das jedem Besucher sofort auffällt. Ein soziales Verhalten untereinander gibt es nicht. Einen roheren Umgang habe ich noch nie gesehen. Heute im Zug zum Bespiel: Eine alte verrunzelte Frau will ihr Gepäck auf die dafür vorgesehenen Regale heben, und ist eindeutig zu klein dafür. Bevor sie das nicht getan hätte, wären die Leute dahinter auch nicht zu ihren Plätzen gekommen. Es war eindeutig das ihr jemand helfen musste damit alle Beteiligten sich hinsetzen können. Niemand hat sich bemüßigt gefühlt der alten Frau zu helfen. Ich drängte die Trotteln vor mir zu Seite, nahm der alten Frau die Koffer ab und wuchtete sie auf das Regal. Die Frau war beinahe beschämt das gerade ich – der einzige nicht Asiate im ganzen Zug – ihr helfen musste damit sie nicht weiter ein Hindernis für die Allgemeintheit darstellt. Beim Aussteigen wieder dasselbe: Ein alter Mann wollte seine Koffer runterholen und fing an im Zug herumzukraxeln. Ich dachte echt, dass er jeden Moment hinfällt und sich das Genick bricht. Ich nahm seine Koffer runter und deutete ihm er solle doch seine kleine Stunt Einlage unterbrechen. Er sagte etwas zu seiner Frau, und beide strahlten über das ganze Gesicht und zeigten mir ein Lächeln das nur zu 50% aus Zähnen bestand. Ich hingegen warf den mich anstarrenden jungen Chinesen im Zug einen verachtenden Blick zu – ich kann nicht verstehen wie man selbst alten Menschen gegenüber jegliche Hilfsbereitschaft verweigern kann.

Selbst die Regierung versucht ein „soziales Verhalten“ einzuläuten: Im lokalen Fernsehen – das aus weit über 50 Sendern besteht, keine Ahnung wie viele es Landesweit gibt – werden Werbespots gezeigt in denen erklärt wird man solle doch weniger auf die Strasse spucken, mehr hilfsbreit sein und überhaupt ein bisschen mehr aufeinander achten. Die Leute scheissen drauf. Es ist so wie in der Volkschule: sich anständig zu benehmen ist uncool! Stattdessen drängt man immer vor, und zwar überall. Und man schaut sich dabei nie an. Wenn schon ein Arschloch, dann ein feiges!

So, und morgen berichte ich dann vom grauenhaften Food Market. Ich gebe euch 24 Stunden, euch auf wirklich Ekelhaftes vorzubereiten. Liebhaber von Kuscheltieren rate ich, den nächsten Bericht nicht zu lesen…

Bis bald – lange halte ich es hier eh nicht mehr aus…

 




 


 

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