Schlangenshow (Snakefarm) & König Bhumibol Rama IX von Thailand
Ich sitze hier auf einem Hoteldach in Chiang Mai – mein bescheidenes Hotel hat keinen Pool, daher muss ich zum schwimmen in ein anderes gehen – und schaue auf die Smogverseuchte Stadt hinunter. Ich habe meinen Aufenthalt hier im Norden etwas verlängert, da ich der Meinung bin, das meine Mission noch nicht erfüllt ist. Ich brauche noch mehr Infos und Geschichten, und vor allem muss ich noch etliche Photos machen…
Gestern habe ich eine Schlangenfarm besucht, das ist zwar etwas touristisch, aber ich habe keine Zeit selber welche zu suchen. Bevor die Show mit dem Schlangenbeschwörer begonnen hat, schaute ich sämtliche Gehege an, in denen Schlangen jeglicher Art zu sehen waren. Dabei ist mir ein chinesisches Ehepaar besonders unangenehm aufgefallen, sie schlugen mit Stecken auf die Gehege, und versuchten die Schlangen durch Anschreien zu erschrecken. Das mit dem Geschrei war mir egal, im Gegensatz zu den beiden Unruhestiftern weiß ich, dass Schlangen kein Gehör haben – wie denn auch, die haben ja keine Ohren. Aber das man mit Stecken auf die Gehege drischt, ist wohl echt nicht notwendig. Schlangen spüren jegliche Vibration sehr stark, und das war sicher nicht angenehm. Ich hoffte, dass die Schlangen recht bald die Gelegenheit haben würden, diesen “todesmutigen” Touristen ins Angesicht zu blicken, ohne das dabei ein Stahlgitter für die Sicherheit der Betrachter sorgen würde. Ich wusste nicht dass mein Wunsch schon bald in Erfüllung gehen würde…
Die Show begann damit, dass zwei thailändische Königscobras in eine Art Arena in Miniaturformat geworfen wurden. Wir, die Zuschauer, wurden lediglich durch eine ca. 10 Zentimeter hohe Vertiefung im Boden von den Schlangen getrennt. Die Cobras zischten wie wild, stellten sich auf und blähten ihre Nacken auf. Der Snakeman kniete vor ihnen hin, und irritierte sie indem er ihnen die Knie als Angriffsfläche hinhielt, sie aber immer rechtzeitig wegzog wenn sie zubeißen wollten. Die Schlangen wirkten etwas müde, kein Wunder wenn so ein Trottel drei Mal am Tag mit seinen Knien vor ihnen rumwackelt.
Als nächstes holten sie einen fetten Tigerpython aus einer Kiste, ausgewachsen sicher über 4 Meter lang, und so dick wie ein Oberschenkel. Diese Tiere habe ich besonders gerne, da sie ein wunderschönes Muster, und einen schön geformten Kopf haben. Nach dem “grünen Hundskopfschlinger” sind sie meiner Meinung nach die schönsten Schlangen die es gibt. Einer Freundin habe ich vor etwa zehn Jahren einmal den “kleinen Bruder” des Tigerpython zum Geburtstag geschenkt, nämlich einen Königspython. Diese Exemplare werden “nur” 3,5 Meter lang, während es ein Tigerpython auf beachtliche 7 Meter bringt. Der Python den ich damals verschenkte war aber noch ein Baby, und geradezu winzig im Vergleich zu dem Exemplar der größeren Gattung das nun in der Arena rumschlängelte. Die Snakemen fingen wieder an die Schlange zu provozieren, und die Schlange wiederum versuchte zuzubeißen. Mir hat das nicht gefallen, es ist eine Sache sich vor eine Königscobra zu setzen, deren Gift einen Elefanten in einer Stunden töten kann, aber einen auf dem Boden liegenden Tigerpython zu ärgern ist nun wirklich keine Heldentat! Der kann sich maximal um das Bein wickeln und zum würgen anfangen, aber sobald man ihm Alkohol über den Kopf schüttet (welcher sicher Griffbereit stand), sucht er sofort das Weite. Und wenn er es einmal geschafft haben sollte einen der Snakeman zu beißen, dann hoffe ich das er ihn im Schritt erwischt hat! Bevor sie den Tigerpython wieder in seine Kiste legten, durfte ich ihn mir noch einmal um den Hals legen, und mich fotografieren lassen, wie ein dummer Tourist halt. Das chinesische Ehepaar das davor so mutig die Schlangen störte, machte große Augen als ich mir die Schlange wieder vom Hals nahm, und dem Snakeman in die Hand legte (der vorsichtshalber immer das Maul der Schlange zuhielt, während ich sie zum Schal zweckentfremdete). Sie wussten nicht wie Nahe sie selber bald einer Schlange sein würden, nämlich genau der die sie vorher bei ihrer Siesta störten.
Selbige wurde nämlich als nächstes aus einer Kiste geholt, drei Stück um genau zu sein (ich glaube es waren Nattern). Sowie sie in die Arena geworfen wurden, schlängelten sich alle drei in Richtung des chinesischen Ehepaares welche in der ersten Reihe der Tribüne saßen. Als die beiden einsahen dass die Schlangen wohl in ihre Richtung wollten, sprangen sie auf um die Stufen hinaufzulaufen. Sie schrieen so laut, als würden sie gerade eine Appendixoperation ohne Vollnarkose über sich ergehen lassen müssen. Zu meinem Erstaunen schafften es zwei der Schlangen sogar beim ersten Versuch über die kleine Mauer, und die beiden Chinesen hupften auf der Tribüne in Todesangst schreiend herum. Es war ein herrlicher Anblick, selbst der Snakeman konnte sich vor lachen nicht halten als er die beiden Ausreißer am Schwanz packte und wieder in die Arena zog. Doch die Tierquäler sollten noch Gelegenheit haben ihre Tat so richtig zu bereuen.
Es wurde noch eine Kiste hergeschleppt, und geheimnissvoll verkündet, dass nun eine Springschlange ihren Auftritt haben würde, die 6 Meter weit springen kann. Ein Snakeman spielte mit einem Stock in der Kiste herum, und plötzlich hupfte eine Schlange kurz hoch und zischte. Ein Raunen ging durch die Zuschauer. Plötzlich sprang eine zweite Schlange mit einem riesengroßen Satz aus der Kiste, und flog direkt in Richtung des noch immer völlig verschreckten chinesischen Pärchens. Die packte nun endgültig der nackte Wahnsinn, sie sprangen von der Tribüne und rannten davon, wobei der Mann der davor noch so tapfer auf den Käfig eindrosch, seinen dämlichen Sonnenhut verlor. Zu meiner Verwunderung (als auch zu meiner Belustigung) hörten sie erst auf zu rennen, als sie am Parkplatz vor der Schlangenfarm waren, gut hundert Meter von der Arena entfernt. Wer sich ein wenig mit Schlangen auskennt hat schon bemerkt dass an der Sache etwas nicht stimmt, es gibt keine Schlangen die sechs Meter springen können. Es gibt zwar welche die von Baum zu Baum fliegen können, aber vom Boden weg springt keine Schlange so weit. Der Snakeman hat äußerst geschickt ein dickes Seil (das im Fluge schnell für eine Schlange gehalten werden kann) mit einem Schürhaken aus der Kiste gefädelt, und einfach auf die Zuschauer geschmissen. Den Trick hat niemand bemerkt, weil er selber so getan hat als würde die Schlange gerade Rauspringen, wobei er einen Satz zurück machte, als ob er in Deckung gehen wolle. Das Ganze wurde dadurch noch realistischer, dass kurz zuvor eine echte Schlange aus der Kiste hervorhüpfte und zischte. Wie es scheint haben die Schlangenbeschwörer es auch nicht lustig gefunden das da irgendwelche Idioten ihre Tiere belästigen, und beschlossen ihnen eine kleine Lektion zu erteilen. Wie sie das gemacht haben dass die Nattern gezielt auf sie losgingen habe ich aber nicht durchschaut, vielleicht war es nur Zufall. Es war auf jeden Fall der beste Part der Show!
Letztens war ich im Kino, diesmal ein normales und kein Luxuspalast mit Massagesofas. Dafür hat das Kino auch nur ein Fünftel von der “Gold Class” gekostet. Nach dem Werbeblock wird ein Satz in großer Schrift eingeblendet. Er besagt in etwa: “UNTERTAHNEN! Steht auf, um euren König den ihm gebührenden Respekt zu zollen!” Alle Kinobesucher stehen auf, ich natürlich auch. Ich will nicht als der respektlose Falang dastehen, auch wenn es sich nicht um meinen König handelt. Außerdem war der Satz auch in Englisch geschrieben. Es folgt ein etwa einminütiger “Videoclip” in dem der König als eine Art Halbgott dargestellt wird. Aufnahmen in den Strassen Bangkoks werden gezeigt, Passanten lassen alles stehen und liegen und verneigen sich völlig entzückt mit gefalteten Händen, weil sie plötzlich ein zwanzig Meter hohes Bild vom König sehen. Dazu spielt es völlig kitschige Musik wie man sie bereits von amerikanischen Filmpreisverleihungen kennt, die einem suggerieren soll das hier gerade etwas unglaublich Tolles passiert, für den Fall das man nicht von selber draufgekommen ist. Bei den Amis ist das ja recht oft der Fall, wie wir es schon von den Soaps kennen, wo einem durch Lachgeräusche gezeigt wird, das gerade etwas Lustiges passiert ist. Ich war sehr bemüht nicht selber in einen Lachkrampf zu verfallen. Die Thais mögen den König allerdings sehr. Mein Fahrer zum Beispiel verneigt sich sogar vor Bildern von längst verstorbenen Königen. Er ist sehr gläubig (immerhin wurde er als Waisenkind in einem Kloster aufgezogen), und sein Auto ist voll mit buddhistischen Figuren. Vor einem Autounfall konnten selbst diese ihn nicht schützen, das Geld dafür muss er noch heute zurückzahlen. Er habe daher zum Lottospielen angefangen, ganz stolz erzählt er mir dass er dabei schon 90 Bhat gewonnen hat. Ich frage ihn wie viel er insgesamt schon für die Lose ausgegeben hat, er rechnet im Gedanken kurz nach, bekommt dann eine ernste Miene, und wechselt das Thema. Ich überlege ob ich ihm schnell das Prinzip der Amortisierung erklären soll, lasse es dann aber doch bleiben. Vielleicht sollte er einfach mit dem Lottospielen aufhören.