Das kranke Songkran Festival!
12 April 2004 – Flughafen von Chiang Mai
Es wird Zeit Thailand zu verlassen. Erstens geht es nun weiter nach Hong Kong, wo es vorbei ist mit Lotterleben durch niedrige Preise, und zweitens überstehe ich keinen dritten Tag vom Songkran Festival. Es findet jährlich vom 12-15 April statt, und die Feierlichkeiten begrüßen das thailändische Neujahr. Der letzte Tag des Jahres heißt Maha Songkran Day. Der Tag danach ist Wan Nao, und der erste offizielle Tag des Neujahrs, der 15 April, heißt Wan Thaloeng Sok. Es ist außerdem Zeit für den Frühjahrsputz und um Buddha und älteren Leuten Respekt zu zollen – indem man ihnen Wasser auf die Handflächen fließen lässt. Die jüngeren und Junggebliebenen treiben es da schon etwas bunter, denn Songkran ist im Prinzip nichts weiter als eine einwöchige Wasserschlacht. Es ist zu dieser Zeit zum Teil schon fast unerträglich heiß, und obwohl die Regenzeit schon bald in greifbarer Nähe ist, wird zu Songkran schon mal so richtig für Abkühlung gesorgt. Chiang Mai ist eine sehr beliebte Destination für Songkran, es gibt hier um die alte Stadtmauer herum einen Wassergraben, der nicht nur genug Wasser für die “H2O Kämpfe” bietet, sondern in welchen man auch von der recht hohen Mauer springen kann. Viele Thais machen dabei besonders waghalsige Stunts, entweder um zu imponieren, oder weil sie schon so besoffen sind. Oder ersteres wegen zweitem… Die ohnehin schon ziemlich schlechte Wasserqualität wird zu Songkran noch schlechter, das Wasser mit dem die Wasserschlachten gemacht werden ist jedoch bereits gefährlich, insbesondere jenes vom Graben. Ich habe ein paar Mal geholfen die Fässer zu füllen, das Wasser war braun und, sagen wir mal, nicht mehr ganz geruchlos, wie es Wasser sein sollte (der Grossteil vom Wasser kommt zum Glück aus der Leitung, und in Bangkok verwenden sehr viele Leute Trinkwasser). Um die alte Stadtmauer herum konzentriert sich die Party, an den unzähligen Bars stehen tausende Menschen und sind mit allen Formen von Wasserspritzpistolen, Kübeln und sonstigen Plastikutensilien ausgerüstet um sich gegenseitig zu bewässern. Wer hier noch nicht vollkommen durchnässt ist, steht kurz davor es zu sein. Aber eigentlich ist man schon völlig nass bevor man überhaupt am Geschehen ankommt, denn die Wasserschlachten breiten sich durch das gesamte Land aus. Auch in der tiefsten Provinz gibt es keine Strasse an der nicht Menschen an strategisch günstigen Positionen (versteckt hinter Verkehrsschildern) mit Kübeln stehen, und darauf warten Autos und vor allem Motorradfahrer von oben bis unten bis auf die Knochen zu durchnässen. Wer im Auto sitzt hat nicht viel zu befürchten, zumindest spart er sich die Waschstrasse. Man sollte aber auf jeden Fall die Türen versperren, die Menschen scheuen nicht davor zurück ohne Vorwarnung die Tür aufzureißen und einen gesamten Kübel ins Fahrzeug zu schütten! Wer in seinem Rolls Royce eine Lederausstattung aus Tiefseerochenleder hat, und dazu handgeschnitzte Wurzelholzarmaturen mit Verzierungen aus Mammutelfenbein, sollte daher zu Songkran lieber zu Fuß gehen. Am Sonntag war offizieller Beginn des Festivals, obwohl schon Tage davor die Auftakte stattgefunden haben. Ich beschloss dem bunten Treiben mal eine Chance zu geben, obwohl ich kein zweites Paar Schuhe hatte. Also blieb mir nichts anders übrig als mit meinen – für thailändische Verhältnisse ausnahmsweise echten – “Diesel” Schuhen das Hotelzimmer zu verlassen, mit der Gewissheit, dass sie nachher reif für den Mülleimer sind. Barfuss zu gehen ist jedoch in Thailand nicht gerade höflich, und angesichts der vielen Scherben und dem Dreck zu dieser Jahreszeit auch nicht ratsam. Als ich am Zentrum des Geschehens ankam, war es bereits später Nachmittag – und die Party auf dem Höhepunkt. Gegen die Stimmung die da herrschte, war die Berliner Loveparade eine Ansammlung Prozacbeduerftiger, depressiver Mitglieder einer Selbsthilfegruppe. Vor jedem Lokal standen Menschen und tanzten auf Tischen und Bänken, und lieferten sich währenddessen eine Wasserschlacht mit der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Verkehr dazwischen wurde zum gemeinsamen Feind erklärt. Die Leute die sich auf die Strasse verirrt haben zahlten einen hohen Preis, denn meisst stand der Verkehr still. Entweder weil einfach ein Stau war, oder weil sich ein besoffenes Mädchen auf die Kühlerhaube eines Autos legte, und dort nicht mehr runter wollte. Oder weil ein als Superman verkleideter, winziger Thai einen Barhocker auf die Strasse stellt, um darauf stehend die Superman-Flug-Pose einzunehmen, um kurz darauf von einem Wasserstrahl getroffen runterfallt, und dabei fast von einem Auto überfahren wird (man bemerke wie ich nun heimlich in die Gegenwart gewechselt habe, man könnte das künstlerische Freiheit nenne, oder aber auch literarisches Fehlvermögen ). Ich plaudere mit einem Franzosen dessen Arm durch einen Unfall bedingt in einer Schlaufe hängt. Sein ganzer Körper ist mit schweren Schürfwunden übersäht und angeschwollen, ein Schicksal das früher oder später jeden Motorradfahrer in Thailand ereilt. Er hat eine Kamera sorgfältig in eine Wasserdichte Eigenkonstruktion aus Plastik verpackt, und macht Photos vom Festival. Leute die rauchen, haben ihre Zigaretten in ebensolche Plastikhüllen verpackt, und wer rauchen will setzt sich an die Bar, den einzigen Platz wo es halbwegs trocken ist. Handys lässt man zu Hause, die überleben manchmal nicht einmal in Plastik verpackt. Um sich ein Bild zu machen wie nass man dort sein Dasein fristet: Stellt euch vor ihr taucht einmal komplett unter Wasser, in voller Kleidung mit Schuhen – so nass ist man. Nachdem die Sonne untergeht, legt sich die Situation ein wenig. Vielen Leuten ist zum ersten mal richtig kalt, der eine oder andere wird am nächsten Tag eine Grippe haben. Aber die meissten gehen nicht nur nach Hause um sich nassen Kleider auszuziehen, sondern um sich neue Kleider für den Abend anzuziehen. Ich denke, dass ich genug von Songkran gesehen habe. Ich weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass dies erst der Anfang war…
13 April 2004 – Bankok
Nach meinem ersten nicht verspäteten Flug mit Asia Air komme ich in meinem Hotel in Bangkok an, und setze mich an den Balkon um an einem wunderschönen, und extrem heißen Tag, einen Blick über Bangkok zu genießen. Ich schnappe mein Telefon und rufe Alex an, einen kanadischen Englischlehrer der im selben Hotel wohnt.
Alex: “hmmm?”
“Hey Alex, habe ich dich aufgeweckt?”
“Ja, macht aber nichts. Bist Du etwa wieder zurück aus Chiang Mai?”
“Bin gerade angekommen, habe wieder ein Zimmer im letzten Stock bekommen. Room Number 911.”
“Hey, good you made it! Mina und ich liegen noch im Bett, stehen aber jetzt auf. Warum kommst Du nicht einfach runter?”
“Mache ich. Habt ihr schon gefrühstückt?”
“Nein, Du?”
“Nein, das Personal von Asia Air wollte mich zwar vergiften, aber ich habe es im letzten Moment bemerkt.”
“Dann gehen wir gemeinsam. Nudelsuppe beim tätowierten Fettsack, wie immer?”
“Ja, gerne.”
“OK. Sag, wie war es in Chiang Mai?”
“Erzähle ich Dir später alles. Meine Schuhe kann ich jetzt jedenfalls wegschmeißen.”
“Das kannst Du morgen machen, heute wirst Du sie ein letztes mal brauchen. Wir fahren am Nachmittag in die Stadt.”
“OK, wohin?”
“Kao San Road.”
“Verdammt, seid ihr wahnsinnig?!”
“Jahaha! Jetzt komm schon runter, das wird bestimmt lustig!”
Kao San Road! Backpackerzentrum der Welt. Seitdem Leonardo Di Caprio in “The Beach” (eine schlechte Verfilmung eines guten Buches) hier übernachtet hat, ist dieser Ort noch populärer geworden. Vor allem unter jungen Thais, sie sind hier gegenüber den vielen Touristen in der Überzahl, obwohl es sich um den wichtigsten Backpacker Treffpunkt Bangkoks handelt. Schon an normalen Tagen wird die Strasse Mittags zu einer Fußgängerzone, und am Abend ist es hier noch hektischer und lauter als im restlichen Bangkok. Was jedoch an Songkran los ist, wage ich mir zu dem Zeitpunkt nicht auszumalen. Nachdem wir gegessen haben, setzen wir uns in ein Taxi. Und werden sofort wieder rausgeschmissen. Der Fahrer erklärt, dass er nicht in diese Gegend fahren will, nicht zu Songkran. Außerdem würden wir sowieso über 2 Stunden brauchen sagt er, und fährt davon. Im Prinzip ist Bangkok zu dieser Zeit ausgestorben, aber dort wo gefeiert wird, herrscht Ausnahmezustand. Nach drei weiteren Taxis nimmt uns endlich einer mit. Wir fahren über den Freeway, und stecken dann tatsächlich fast eineinhalb Stunden im Stau. Was uns jedoch nicht sehr stört, da um uns herum die Wasserschlachten bereits im vollen Gange sind. Pick Ups haben zu diesem Festival Hochsaison, auf jeder Ladefläche sitzen so viele Leute wie darauf Platz haben. Dazwischen stehen große Fässer die regelmäßig mit Wasser gefüllt werden. Leute steigen aus Autos aus, schleichen sich in der Hocke um ein anderes Fahrzeug herum, um dann die Insassen mit einem ganzen Eimer Wasser zu begrüßen. Die Antworten meisst mit Salven aus ihren Spritzpistolen. Alle lachen und sind glücklich, Spielverderber die sich aufregen gibt es nicht. Nachdem wir der Kao San Road etwas näher gekommen sind, steigen wir aus und gehen zu Fuß weiter. Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen bevölkern die Strasse, Autos kommen kaum noch voran. Dreißig Sekunden später sind wir schon nass. Jedoch fällt mir schnell ein Unterschied zu Chiang Mai auf. Die Leute laufen alle mit weißen Gesichtern herum, als hätten sie sich eine Kriegsbemalung zugelegt. Bevor ich überlegen kann was das zu bedeuten hat, lauft jemand auf Alex zu, und schmiert ihm mit der Hand das ganze Gesicht mit Farbe voll. Seine Freundin Mina wird zwei Sekunden später Opfer. Dann läuft ein junges Pärchen auf mich zu, und will auch mich mit dubioser Farbe Zwangsbeglücken. Ich bin noch etwas skeptisch was dieses Ritual betrifft, und stelle mich auf die Zehnspitzen, wobei ich den Hals Langstrecke. Die beiden lachen, vor allem weil sie mein Gesicht jetzt tatsächlich nicht mehr mit ihren besudelten Fingern erreichen. Alex und seine Freundin haben es nicht so leicht. Er sieht aus wie Russel Crowe, nur jünger und kleiner, und sie entspricht mit ihren (für eine Thai) großen Augen und weißer Haut dem örtlichen Schönheitsideal. Kein Wunder das sie dauernd begrabscht werden. Mina macht den Fehler das sie sich die Farbe jedes mal aus dem Gesicht wischt, aber Gesichter ohne weiße Farbe haben hier eine magische Anziehungskraft, ihr sauberes Gesicht währt daher nicht lange. Ich hingegen wehre mich seit einer halben Stunde relativ erfolgreich, auf den Zehnspitzen gehend, manchmal sogar hüpfend, den Kopf in alle Himmelsrichtungen streckend, bloß um nicht erwischt zu werden. Alex sieht aus als wäre er in einen Topf weißer Farbe gefallen, und wir machen uns gegenseitig übereinander lustig. Als wir uns der Kao San Road nähern gebe ich auf. Ich gehe zu einem der Stände wo man sich die Farbe kaufen kann, schmiere mir beide Hände randvoll mit dem Zeug, und klatsche mir die ganze Portion ins Gesicht. Alex und Mina biegen sich vor lachen. Aber bevor mir ein Besoffener im Suff die Augen aussticht, übernehme ich die Arbeit lieber selber. Obwohl man sagen muss, das die Leute hier trotz des Wahnsinns noch immer sehr diszipliniert miteinander umgehen. Die Strassen werden immer überfüllter, und wir bleiben bei einem Stand stehen um eine herrliche Portion Streetfood zu uns zu nehmen. Leute die essen, werden verschont, sehr höflich. Wir gehen weiter durch einen Durchgang der in der Kao San Road mündet. Eine Polizeisperre sorgt für einen Stau, jeder wird nach Waffen und Drogen durchsucht, bei der Gelegenheit wird die weiße Farbe abgenommen und auf einen Haufen geworfen, der sich zu einem großen Berg auftürmt. Ich strecke die Arme aus, aber der Polizist winkt mich und Alex vorbei. Freies Geleit für Falangs, wie nett! Auf der Kao San Road ist die Hölle los! Es kommt mir vor wie das Epizentrum des Songkran Erdbebens. Jedes Lokal hat eine Anlage vor die Tür gestellt und spielt Musik. Menschenmassen arbeiten sich durch die Strasse. Wer einen Platz findet, stellt sich dorthin wo Musik seines Geschmacks gespielt wird und tanzt dort in nassem Gewand vor sich hin. Da wir relativ spät kommen, bleibt uns nichts anderes übrig als vor einem Punk Rock/Metal Schuppen stehen zubleiben, wo eher wenige Menschen sind. Zu meiner Verwunderung fühlen wir uns dort alle sehr wohl, obwohl der DJ eindeutig ein Fall für eine psychiatrische Anstalt ist. Minas Freunde sind in der Zwischenzeit dazu gestoßen, die Dunkelheit setzt ein. Ich habe Alex vorher erklärt, das ab Einbruch der Dunkelheit die Wasserschlachten langsam aufhören, allerdings bin ich da einem schweren Irrtum aufgesessen: Anders als in Chiang Mai, wo es am Abend doch etwas kühler wird und man mit nassen Kleidern echt unterkühlt wäre, fängt in Bangkok nach Einbruch der Dunkelheit der Wahnsinn erst an! Da wo vorher mehr mit Farbe herumgeblödelt wurde, werden jetzt die Wasserspritzgewehre ausgepackt – und mit Eiswasser gefüllt! Riesige Wassertonnen mit schweren Eisblöcken darin dienen als “Munitionsdepots”. Wenn man von so einem eiskalten Wasserstrahl getroffen wird, ist das nicht besonders angenehm, auch bei der Hitze. Mittlerweile hat jeder zweite Mensch irgendein buntes Plastikding in der Hand, und mehrere zehntausend Menschen spritzen sich gegenseitig mit Wasser voll, wobei sich immer wieder Gruppen bilden die sich gegeneinander antreten. Manchmal artet es völlig aus, Gruppen von über fünfzig Leuten stehen sich gegenüber und pumpen mit aller Kraft Wassermassen aus ihren Pistolen bis sie leer sind, und ihre Kleider noch nasser. Alex kommt zu mir gerannt, er hat zwei riesige Pistolen gekauft und wirft mir eine zu. Dann kaufen wir ein paar Wasserflaschen und tanken unsere Waffen auf, um an der Schlacht teilzunehmen. Schnell bilden sich zwei Teams, ein paar Thais schließen sich uns an und ein Feind ist schnell ausgemacht. Zwei Stunden liefern wir uns bis zur Erschöpfung eine Wasserschlacht, am Ende haben wir es sogar bis auf einen Balkon eines Hotels geschafft, von wo aus wir mit einem Schlauch runterspritzen bis uns die Securities rauswerfen. Sehr lange macht es einen Riesenspaß, dann kippt die Stimmung. Einige der Leute sind mittlerweile schwer besoffen oder anderwärtigen Einflüssen ausgesetzt. Ich beobachte wie sich von einer Seite ein Krankenwagen durch die Massen schiebt, auf der anderen Seite fährt ein Polizeiwagen herein, er hat hinten einen großen Gitterkäfig, in dem noch keine Menschen sitzen. Es ist jedoch nur noch eine Frage der Zeit bis sie jemanden reinstecken. Ich gehe zu Alex und schreie ihm ins Ohr: “Hey, Alex! Ich habe keine Lust in einem der beiden Wagen zu landen. Ich schätze es wird Zeit zu fahren.” “Ja, denke ich auch. Allerdings werden wir zu Fuß gehen müssen. Jetzt bekommen wir sicher kein Taxi. Außerdem glaube ich kaum, dass uns eines mitnehmen würde. Wir sehen in der Tat aus wie eine Gruppe Landstreicher. Bis auf die Knochen durchnässt und völlig verdreckt durch die “Kriegsbemalung”. Wir sammeln unsere Gruppe irgendwie zusammen und erkämpfen uns den Weg aus der Kao San Road. Dabei wird mir das Ausmaß der Verwüstung erst bewusst. Ein Polizeiauto an dem wir uns vorbeidrängen ist so verdreckt das man es nur noch an den Sirenen erkennen kann. Die Strasse selber sieht aus wie ein Schlachtfeld (auf dem noch gekämpft wird), man schlurft nur noch durch eine weiße, undefinierbare Masse aus Dreck, Farbe, Wasser, Alkohol und Scherben. Natürlich rutschen einige Leute aus, es gibt viele Verletzungen. Der erste Songkran Tag alleine hat 90 Todesopfer gefordert. Nun, wo ich diesen Kollektivwahnsinn am eigenen Leibe spüre, verstehe ich wieso. Neben mir steht ein völlig Durchgeknallter Thai und schreit herum. Auf seiner Brust hat er ein riesiges Hakenkreuz tätowiert. Ein Amerikaner lässt sich mit ihm fotografieren. Hakenkreuze sind hier Mode, jedoch weiß kaum ein Mensch was es für die xwestliche Weltx für eine Bedeutung hat. Die Asiaten hatten dieses Symbol zwar schon lange bevor Hitler es für seine Zwecke missbrauchte, aber meines Wissens war es damals in die linke Richtung gedreht. Nun sieht man hier Leute die eindeutig nichts mit Politik am Hut haben, mit rechtsgedrehten Hakenkreuzen auf ihren T-Shirts herumlaufen. Manche auch in die Haut eingestochen. Es ist halt Mode… Es dauert recht lange bis wir uns aus der Kao San Road herausgequetscht haben, vorbei an Polizisten die langsam die Geduld verlieren. Wir irren etwas ratlos durch die Strassen Bangkoks. Unser Hotel ist viele Kilometer entfernt, zu Fuß gehen ist ausgeschlossen. Taxis nehmen uns nicht mit. Dann komme ich auf die Idee ein TukTuk zu nehmen, was man hier eigentlich nie macht. Es bleibt üblicherweise den Touristen überlassen, der unerträglichen Luft in einem gefährlichen Vehikel ausgesetzt zu sein, nicht zuletzt da die TukTuk Fahrer immer mehr Geld als die Taxifahrer verlangen, weil sie keinen Taxameter haben. Dafür ist man schnell auf diese Dreirädrigen Mopeds aufgesprungen und genauso schnell wieder abgesprungen. Einer dieser überdachten Umweltverpester hat Platz für drei Personen, ich bin jedoch auch schon mal in einem gefahren das 7 Personen als Fracht hatte (es ging auf halben Weg jedoch ein), ich selber habe mich hinten am Dach festgeklammert und gehofft kein Opfer eines Auffahrunfalls zu werden. Wir versuchen eine sechsspurige Strasse zu überqueren. Die Stimmung ist von “sehr ausgelassen” auf “beunruhigend” gekippt, und wir sind froh vom Epizentrum des Wahnsinns davonzukommen. Schon bald finden wir ein TukTuk, wir setzen uns zu fünft rein, und Alex schreit dem Fahrer etwas auf Thai zu. Ich drehe mich zu ihm und frage ihn was er gesagt hat. Er antwortet: “According to my knowledge of Thai, it should mean something like Lets get the f*ck out of here!”. Alex Thai Kenntnisse dürften richtig sein, der Fahrer lässt den Motor seines TukTuks aufheulen und schlängelt sich zwischen anderen Fahrzeugen und wild gewordenen Menschen mit blutroten Augen durch. Wer den Film “Dawn of the Dead” gesehen hat, kann sich vorstellen wie es dort aussah. Wir sind jedoch noch lange nicht in Sicherheit, denn unser Vehikel ist auf den Seiten offen, wodurch wir ein gutes Ziel für jene Wasserspritzenden Songkran-infizierten sind, die noch immer keine Ruhe geben wollen. Andere TukTuks holen uns ein, die Passagiere haben dem Fahrer Befehle zugebrüllt die “Falangs auf 11 Uhr” einzuholen. Wieder ergießen sich Fontänen über unseren Köpfen. Mein ganzer Körper sieht aus, als hätte ich an einem Wettbewerb zum Weltrekordbrechen im Dauerbaden teilgenommen. Solle mich die Polizei heute verhaften, würden sie zumindest keine Fingerabdrücke von mir bekommen können, so verrunzelt sind meine Fingerspitzen. Als wir endlich in abgelegenen, ruhigeren Stadtteilen sind, kommt es mir vor als hätte ich gerade den letzten Level eines schrecklichen Computerspiels überstanden. Und dann soll ich auf grausame Weise erfahren, dass ich den Endgegner noch vor mir habe. An einer Ampel bei einem kleinen Restaurant bleiben wir stehen, und werden so in einen Hinterhalt gelockt. Eine Gruppe von Leuten schleicht sich vom Restaurant an uns ran, und schüttet mehrere Eimer Wasser direkt in unser TukTuk. Dann strecken sie ihre weißen Finger wie Zombies ins Fahrzeug, und schmieren jeden von uns als Abschied die Gesichter voll. Die Ampel wird grün, der Fahrer bringt uns in Sicherheit. Als wir alle endlich im Hotel ankommen, ziehen wir eine Dreckspur durch das gesamte Hotel hinter uns her. Wir sind erschöpft, aber gut gelaunt. Die Dusche die ich nahm als ich in meinem Zimmer ankam, war eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens…