Ein Wald voller Koalabären!
Sonnige Grüsse aus Australien, der ehemals größten Sträflingskolonie der Welt!
Hier also der fünfte, und leider vielleicht auch letzte Reisebericht. Morgen gehts nach Sydney, mit Zwischenstopp auf einer Farm wo wir eine Nacht bleiben. Wenn es im Haus in Sydney keinen Computer gibt (vorausgesetzt das Haus ist noch nicht abgebrannt), kann ich leider nicht mehr schreiben, denn von Internetcafes, die es natürlich auch hier überall gibt, kann ich nicht so ausführlich berichten, das wäre etwas teuer. Ich möchte mich aber schon jetzt für das große Interesse an meinen Erzählungen, und den Anregungen über ihre zukünftige Verwertbarkeit bedanken. So hieß es zum Beispiel ich solle doch ein Buch schreiben, Reiseberichterstatter werden, und einer hat sogar gemeint ich solle eine Vorlesung machen…
Also, was ist seit dem letzten Mal passiert? Am Dienstag habe ich trotz schwer angeschlagener Gesundheit und unter Einfluss starker Antibiotika die Stadt verlassen, und mich Richtung Great Ocean Road begeben. Beim verlassen der Stadt fährt man über eine riesige Hängebrücke, welche vor etlichen Jahren auch mal eingestürzt ist (und wesentlich mehr Menschen in den Tod gerissen hat als seinerzeit die Reichsbrücke). Die Great Ocean Road ist eine der schönsten Küstenstrassen der Welt, mit vielen Städten. Wenn man allerdings in die erste Stadt kommt (und vorher im Lonely Planet Wörter wie Fashionmetropole oder Surferparadies liest), ist man etwas verwundert. Es handelt sich lediglich um kleine Fischerdörfer, mit wenigen Einwohnern. Und dann fällt einem ein, das Australien ja lediglich 19 Mio. Einwohner hat, 80% davon leben in den Grosstädten. Die erste Nacht verbringe ich noch in einem Motel, mir gehts sehr schlecht, die Fahrt hat mich endgültig fertig gemacht. Auf wackeligen Knien gehe ich zum Strand und schaue mir den Sonnenuntergang an welcher durch einen besonders starken leuchtenden Mond (ja, Sonne und Mond gibts hier gleich im Doppelpack!) einen besonderen Reiz hat. Um mich herum fliegen – etwas hässliche – rote Papageien und schreien so laut als würden sie das jüngste Gericht erwarten. Sie sollten mir in den nächsten Tagen noch etliche Male den Schlaf rauben, man glaubt nicht wie laut die sein können. Am nächsten Tag sitze ich in einem Internetcafe (nachdem ich mein Penicilin-Fruehstueck zu mir genommen habe) und lerne eine Deutsche kennen, ich will ihr eigentlich nur mit ihrem Hotmail Account helfen, weil ich ihre Unbeholfenheit am Nachbarcomputer nicht ertragen kann, aber sie will mich auf einen Cafe einladen. Ich erfinde eine Ausrede, dass ich heute noch 500 Kilometer fahren muss, und es sehr eilig habe. Zwei Stunden später treffe ich sie wieder auf einem Aussichtspunkt (von denen es auf der Strasse sehr viele gibt) dort bemerke ich das sie viel ausführlichere Bücher und Karten über die Great Ocean Road besitzt als ich. Ab nun Reisen wir gemeinsam im Konvoi. Ich frage sie nach ihrem Namen. Sie heißt Andrea Bender. “Bender?”, frage ich “So wie der alkoholsüchtige Roboter aus Futurama” “Future-was? Kenne ich nicht.” Oje. “Aehh, die Serie von dem Typen der die Simpsons erfunden hat.” “Die Simpsons? Was ist das?” Oje, oje! Das kann ja was werden… Aber wie die Deutschen halt so sind, hat sie ihre Hausaufgaben gemacht, und weiß von einem Wald zu berichten, in dem es angeblich Koalabären in freier Wildbahn gibt. Das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen, nix wie hin. Und tatsächlich, wir finden dort gleich mehrere. Im ganzen Wald hängen kleine Pelzknäuel in den Ästen, und dösen vor sich hin. Koalabären schlafen 22 Stunden am Tag, und konkurrieren mit dem Löwen und dem Faultier um Platz eins in der Kategorie faulstes Lebewesen der Erde. Wir finden sogar eine Mutter mit ihrem Baby, beide lassen die Beine vom Baum baumeln und schlafen. Wahrscheinlich träumen sie von Eukalyptusblättern, von denen sie sich ausschließlich ernähren, denn sonst gibt es nicht viel im Leben eines Koalabären. Dann wachen sie auf, strecken sich ein wenig, schnappen sich ein paar Blätter, stopfen sie ins Maul, und schlafen wieder ein. So geht das den ganzen Tag. Die Fortpflanzung sieht wahrscheinlich auch nicht sehr spektakulär aus…
Übrigens habe ich auch ein Eukalyptusblatt gekostet, zum Glück hat es nicht gut geschmeckt und ich habe es wieder ausgespuckt. Später habe ich mir sagen lassen, dass Eukalyptusblätter giftig sind, Koalabären sind die einzigen Lebewesen die sie essen können. Aber vielleicht hat man mir da auch einen Bären aufgebunden.
Einmal finden wir einen der auf einem sehr niedrigen Ast sitzt, er ist der einzige der nicht schläft. Als ich mit der Kamera näher komme (ca. 2 Meter entfernt), ist ihm das nicht so recht, er grunzt laut vor sich hin, und streckt seine Krallen aus. Die schauen übrigens nicht so ungefährlich aus, wer Freddy Krueger kennt weiß wie die Krallen eines Koalabären aussehen. Leute die welche fangen, haben angeblich Lederhandschuhe die bis zum Arm reichen, weil die Viecher mit ihren Krallen nicht ungefährlich sind. Als ich das Photo machte passierte etwas, worum mich sogar Photografen des National Geographic beneiden würden. Genau in dem Moment als ich abdrücke, springt er von einem Ast zum anderen. Passiert so oft wie ein Lottosechser, wahrscheinlich seltener, wie mir nachher Einheimische erzählen. Ich habe ihn sozusagen im Flug erwischt, mit gestreckten Krallen. Allerdings mit Andreas Kamera. Na ja, vielleicht schickt sie mir das Photo ja per E-Mail.
Dann geht es weiter und sämtliche Sehenswürdigkeiten entlang der Strasse sind auf unserem Plan, darunter sind Regenwälder, riesige Steinformationen im Meer (Twelve Apostels, die mittlerweile nur noch acht sind), und ein völlig menschenleerer, weißer Sandstrand. Ich stapfe dort ein wenig im Wasser herum, die Wellen sind gewaltig und das Wasser ist so kalt das man Angst hat auf Eisplatten zu steigen. Am Abend kommen wir in Warnambool an, einem Städtchen das für seine historische Architektur bekannt sein soll. Ein Europäer kann da aber nichts Historisches sehen, ein Ami vielleicht schon eher. Wir finden ein schönes Hotel, am Abend langweilt mich Andrea an der Hotelbar mit Geschichten aus ihrem Leben, dann wirds mir zu viel, ich erzähle Geschichten aus meinem Leben, nun denkt sie ich bin verrückt…
Leider fehlen in dem Bericht noch ganze fünf Tage, mittlerweile ist wieder viel passiert (vor allem der gestrige Abend geht in die Geschichte ein), und der Beste Teil kommt überhaupt noch. Aber den will ich euch nicht vor Weihnachten schicken, ich könnte euch neidig machen, und ich will euch ja nicht das Fest verderben (nur soviel: 30 Meter hoher Wasserfall an dessen Fuße man in glasklarem Wasser schwimmen kann, 39 Grad im Schatten)...
Happy X-Mass,
Philipp
PS: Die Lösung für das Rätsel mit dem größten Bierverbrauch lautet: Deutschland, Tschechei, Australien. Keiner wusste es! Na gut, dann muss ich wenigstens kein Schnabeltier nach Österreich entführen (in welches ich übrigens später as geplant zurückkehren werde, sofern das möglich ist, mal sehen)