Floating Tanks & Laird Hamilton
OK, 2 Reiseberichte an einem Tag. Ein Reisender hat viel zu erzählen!
Nachdem ich den letzten Bericht abgeschickt habe bevor ein Stromausfall alles zerstört hat, kann ich nun munter Weiterschreiben. Bei allen die jetzt überhaupt noch Weiterlesen, möchte ich mich für das Interesse bedanken!
Ich war beim surfen. Wie gesagt habe ich mich gestern zu den Profis gewagt. Bis man einmal hinter die Wellen gelangt, braucht man schon gut 15 Minuten, und wenn man es endlich geschafft hat nicht mehr von den Wellen Richtung Land gespült zu werden, hat man viel Salzwasser geschluckt, und ist sehr erschöpft. Dann richtet man sich erstmal am Surfbrett auf um sich einen Überblick zu verschaffen, surfen besteht zu einem großen Teil aus warten: Warten auf DIE Welle! Man kann sofort die Spreu vom Weizen trennen, die echt guten Surfer haben schon ein solches Gespür für das Wasser, das sie herannahende Wellen von guter Qualität erkennen, und genug Zeit haben noch dorthin zu paddeln wo die Welle am besten ist. Ich habe das einmal versucht, konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig im 90 Grad Winkel zur Welle wenden, und verbrachte somit wieder einige Zeit unter dem Meeresspiegel. Manchmal dauert das solange dass einem echt die Luft ausgeht, und wenn man vor dem Untertauchen nicht die gesamte Lunge mit Luft “pumpt”, ist es auch schwerer wieder an die Oberfläche zu kommen. Um es gleich zuzugeben, ich habe an diesem Tag keine einzige Welle erwischt, entweder habe ich Nosedives gemacht, oder beim Aufstehen einen Krampf in den Beinen bekommen und musste abspringen (immer nach hinten, so hoch wie möglich!).
Wo wir gerade beim Tauchen sind. Einige von euch haben sicher schon von so genannten “Floating Tanks” gehört. Das sind große Wassertanks die mit Salzwasser gefüllt sind. Auf eine Füllung von etwa einer großen Badewanne kommen 370 Kilo Salz. Die Physiker unter euch wissen schon was das bedeutet: Wenn man sich reinlegt, schwimmt man an der Oberfläche wie ein toter Fisch. Hier in Byron Bay gibt es so etwas, und nachdem ich das schon immer ausprobieren wollte, habe ich eine Stunde “schweben” vereinbart. Die Idee dabei ist, das man von jeglichen Sinneseindrücken befreit wird, also nichts sieht, nichts hört, und auch nichts spürt. “Die Simpsons” haben diesem Gerät eine ganze Folge gewidmet, in der Lisa es ausprobiert und zum Halluzinieren anfängt. Das ist mir nicht passiert. Ganz im Gegenteil: Wenn man sich mit lauter Wunden und Aufschürfungen in reines Salzwasser legt, kommt das einer mittelalterlichen Folterung gleich! 1 Stunde habe ich gehofft das die Schmerzen nachlassen, eine derartige Selbstgeißelung habe ich noch nie freiwillig über mich ergehen lassen! Meine Arme haben die meisten Wunden zu verzeichnen, also habe ich sie die ganze Zeit über der Wasseroberfläche gelassen. Das man sich dabei nicht entspannen kann, ist einleuchtend. Als ich nach einer Stunde aus dem Tank aussteige erzähle ich dem Betreiber von meiner Agonie, es ist ihm sehr unangenehm, und er gibt mir eine Freikarte für ein zweites Mal. Ich glaube kaum dass ich während meines Aufenthalts hier jemals ein unverwundetes Dasein fristen werde, und kann davon wohl keinen Gebrauch machen.
Gestern habe ich mir eine DVD über Laird Hamilton gekauft (und ein großes Poster, wo darf ich es hinhängen Alina?), er ist einer der Erfinder des “To’Surfing”. Dabei werden die Surfer von Wasserscootern hinter Wellen gezogen die man normalerweise nicht erreichen kann. Auch um auf die Welle zu kommen, muss man von einem Scooter gezogen werden. Die DVD heißt “To’” – in der Sprache der Haitianer bedeutet das “gut”. Es zeigt wie Laird Hamilton und ein paar Sufer von Haiti die “Mutter aller Wellen” bezwingen, und sich dabei in massive Lebensgefahr begeben. Die Welle treibt nahe dem Dorf “Teahupoo” ihr Unwesen, es ist zwar nicht die größte, aber sicherlich die schnellste und vor allem massivste Welle die ein Surfer jemals bezwungen hat. Wenn sich die Welle aufbaut, saugt sie soviel Wasser in sich rein, das die Wassertiefe vor der Welle auf einen Meter schrumpft, was bei einem Sturz zur absoluten Lebensgefahr wird. Ich habe mir die DVD schon angeschaut, und muss sagen dass ich noch nie etwas derart verrücktes gesehen habe. Der “Ride” auf der Welle dauert nicht länger als 7 Sekunden, man kann die Welle nicht zu Ende surfen, sondern muss, bevor sie zusammenfällt, aus dem Tunnel hinaus und über die Welle flüchten. Dabei entsteht in der Welle eine Explosion aus Wasser, welche den Surfer aus dem Tunnel “rausspuckt”. Absoluter Wahnsinn, ihr könnt euch die DVD gerne anschauen wenn ich wieder da bin.
OK, genug berichtet. Ich will euch ja nicht die Zeit die ihr zum arbeiten braucht stehlen. Aber wenn ich euch die triste Zeit im winterlichen Wien mit Geschichten aus der Sonne versüße, ist meine Mission aufgegangen!
Philipp
PS: Habe gehört dass wir noch immer keine Regierung haben, bin ich froh dieses Kaschperltheater nicht Mitverfolgen zu müssen!