Ned Kelly - Outlaw und Volkslegende, der australische Robin Hood

ned kelly museum australien Und wieder mal schöne Grüsse aus Byron Bay, der Stadt mit chronischem Wassermangel. Mittlerweile bin ich seit 14 Tagen hier, die Stadt nimmt einen irgendwie gefangen. Viele Reisende beklagen sich darüber das ihnen Byron Bay die Urlaubsplanung durcheinander bringt, weil sie länger bleiben als geplant. Ich habe auch schon einmal versucht nach Surfers Paradise zu flüchten, aber die Stadt ist wie ein Fluch, man kommt nicht von ihr los! Das Busticket das ich gekauft habe ist aber zum Glück noch gültig…

Vorerst aber zu ein paar Storys für die ich bisher keine Zeit hatte:

Auf dem Weg von Melbourne nach Sydney sind wir (Justin und ich) durch die Heimatstadt von Ned Kelly gefahren. Er war um 1880 herum ein gefürchteter Outlaw, der reiche Großgrundbesitzer ausraubte. Allerdings hatte er nicht so eine soziale Ader wie Robin Hood, also behielt er das Geld für sich, und teilte es lediglich mit seiner Gang anstatt es an Arme zu verteilen. Was ihn so besonders machte, war sein Einfallsreichtum. Er schmiedete sich einen Panzeranzug der ihn auf Kopf und gesamten Oberkörper gegen Schussverletzungen schützte. In dieser Rüstung beging er seine Überfälle, halb Unverwundbar, und vor allem unerkennbar. Ich habe das Museum über ihn besucht, und ein wenig über ihn in Erfahrung gebracht. Er war irischer Abstammung, und somit bei den damals englischen Kolonisten besonders unbeliebt. Ein riesiger, bärtiger Kerl, dessen Arme so groß wie Baumstämme waren. Die Rüstung die er trug war besonders dick, aus reinem Eisen welches er von den Rädern von Windmühlen stahl. Die Jagd nach ihm war von ähnlicher Grösse wie die nach Al Capone (welche ja nur juristischer Art war), oder der nach Pablo Escobar (welche über 8 Jahre dauerte, und mit sämtlichen High Tech Geräten durchgeführt wurde). Als man ihn und seine Gang in einen Hinterhalt lockte, schoss er sich den Weg frei. Ich habe die originale Rüstung gesehen die er damals trug. Zwei Schüsse fing sie vor dem Brustkorb ab, ein Schuss ging mitten ins Gesicht – dank seiner Rüstung überlebte er, und entkam seinen Kopfgeldjägern. Ein paar Tage später ging er seinen Verfolgern endgueltig ins Netz, mehr als die Hälfte seiner Gang war tot, und mittlerweile war man auf die Idee gekommen ihm in die Beine zu schießen. Der Prozess der ihm gemacht wurde war ein nationales Ereignis, als der Richter ihm das Urteil “Tod durch Erhängung” verkündete, antwortete er: “Such is Life.”, was so viel bedeutet wie “C’est la vie”. Außerdem prophezeite Ned Kelly dem Richter, das dieser ihm innerhalb der nächsten 2 Wochen ins Grab folgen würde. Er wurde erhängt, der Richter starb 2 Wochen später eines natürlichen, aber mysteriösen Todes. Ned Kellys Geschichte, welche ich ums vielfache interessanter als die um den Amerikaner Wyatt Earp finde, wurde mehrmals verfilmt. In den frühen 70ern wurde er einmal von Mick Jagger verkörpert. Wer weiß wie der Rolling Stone in den 70ern aussah, kann sich vorstellen dass er die Figur etwas unglaubwürdig darstellte. Zurzeit wird Ned Kellys Geschichte wieder verfilmt, diesmal ist es eine Mutimillionen Dollar Produktion. Man darf gespannt sein, wie sehr Hollywood die Geschichte wider “neu schreibt”, nur um einen Actionreichen Kassenschlager zu machen.

Zurzeit wohne ich übrigens auf einer Farm außerhalb von Byron, ich habe 2 Typen kennen gelernt die im besten Restaurant Byron Bays als Köche arbeiten. Sie haben mir angeboten dort als Tellerwäscher zu arbeiten (vom Tellerwäscher zum Millionär, diese Metapher fand ich schon immer gut). Ich war übrigens einmal in dem Restaurant essen, in der Küche wurde verkündet das ich ein VIP bin, als ich Austern bestellte, wurden lauter zusätzliche Köstlichkeiten serviert. Anstatt dem billigsten Fisch den ich bestellte, kam der teuerste. Ein dickes Kerlchen mit großen Zähnen, mit welchen er sich gut zu ernähren schien, so dick und köstlich war er. Die Gastfreundschaft der Australier kennt ja keine Grenzen, also wurde ich sofort auf unbestimmte Zeit auf deren Farm eingeladen. Das Geld für die Backpackers Youth Hostel spare ich mir daher seit gestern, obwohl es auch dort unterhaltsam war. 8 Leute in einem Raum, täglich gehen und kommen neue, alle Nationalitäten vertreten.

Gestern war ich wieder surfen, ich habe mich diesmal an den Profi Strand gewagt. Ich habe vor ein paar Tagen 3 Stunden Unterricht genommen, allerdings war an dem Tag extremer Wind, viel zu kleine Wellen, und ein Unterzug der einem das schwimmen hinter die Wellen ordentlich vermieste. Von den 15 Teilnehmern haben nur 3 Leute Wellen erwischt, ich war zum Glück einer von ihnen. Aber auch diesmal ist mir das verdammte Brett auf den Kopf gefallen. Zu meinen bisherigen Verletzungen: Einmal habe ich eine Welle falsch berechnet, sie hat mich im 90 Grad Winkel gegen den Hartgepressten Sand geschleudert, und dann auf diesem noch ein paar Meter radieren lassen. Das Problem nach einem Sturz ist, das man meistens dann erst wieder auftaucht, wenn die nächste Welle kommt, ich wurde im Endeffekt wie ein gestrandeter Wal an Land gespült. Ergebnis war eine leichte Gehirnerschütterung und mäßiger Blutverlust. Beim zweiten Mal habe ich eine Welle erwischt, bin zu weit vorne gestanden wodurch die “Nose” ins Wasser getaucht ist. Wenn das passiert, “erschlägt” einen die Welle, und das Surfboard wird einen um den Kopf gewirbelt, wobei man sich wie ein Embryo zusammenziehen muss, und die Hände schützend um den Kopf legt. Zum Glück habe ich das auch gemacht, allerdings hat mir die “Shark Fin” 15 Zentimeter meines linken Unterarms aufgeschlitzt. Diesmal: erheblicher Blutverlust, als ich nach einer Visite in der Apotheke im Backpackers ankomme, holen die Leute ihre Kameras um von mir Photos zu machen. Von nun an passen alle gut auf mich auf, wollen mir das surfen verbieten, und wenn sich jemand von mir verabschiedet, sagt er nicht “See ya, Mate”, sondern “Take Care!”

To be continued – in diesem Internet Cafe sind “Power Drops” nicht selten, daher schicke ich Teil eins mal weg!

  Textile-Hilfe