Revolver Club Melbourne

Hallo und schöne Grüsse aus Australien, das Land mit der Anti-Alk Kampagne: “If you drink and drive, youre a bloody Idiot!!!”

Vor kurzem habe ich Hayden kennen gelernt. Er ist 30 Jahre alt, von Beruf Immobilienmakler, und ein stadtbekannter Playboy. Auf die Frage wie er zu diesen Vornamen kommt, meint er er wäre nach einem österreichischen Komponisten benannt. Nach dessen Vornamen? Dann kenne ich den nicht, antworte ich…

Als wir einmal in seinem BMW Z3 (Serie M natürlich) zum Strand fahren, muss er mindestens 6-mal stehen bleiben um mit irgendwelchen Leuten (hauptsächlich Damen) zu sprechen. Dazwischen hat er einen Fahrstil der vermuten lässt, dass er von Gesetzen nicht viel hält. Er macht einen Spurwechsel über 4 Spuren, sucht überall eine Lücke, und erreicht im Stadtgebiet schon mal eine Geschwindigkeit von 130 Km/H. Auf der Autobahn sind hier 110 erlaubt, falls ihr es nicht wisst. Währenddessen gähnt er ständig, er hatte am Vortag eine Weihnachtsfeier in der Firma, und noch nicht geschlafen. Ach so, na dann…

Am Strand schläft er sofort ein, ich bin damit beschäftigt mich vor der Sonne zu schützen. Das Wasser ist übrigens sehr kalt dort, zu nahe am Südpol. Bei der Rückfahrt erzählt er mir von einer Disco in die wir am Abend gehen werden, er fragt mich ob ich die geeigneten Schuhe habe. Nachdem ich meine Timberland Lightweight-Wanderschuhe anhabe, wie immer auf Reisen, sage ich nein. Aha, dann müssen wir aber schleunigst welche kaufen fahren, meint er. Samstagabend, 17:50, noch 10 Minuten um in die Stadt zu kommen. Von nun an fährt er als hätte er soeben ein Attentat auf den Präsidenten der USA verübt (keine so schlechte Idee), und das FBI wäre ihm auf den Fersen. Er driftet durch Melbournes Strassen, überholt auf der Nebenfahrbahn, einmal kommt der Wagen auf eine Geschwindigkeit von 150 Km/H. Das ist jedoch nur eine Geschwindigkeitsübertretung von 250%, denn in der Stadt sind 60 Km/H erlaubt. Somit hält unser Neo-Austro-Amerikaner Xaver Hutter noch immer den Rekord. Der hat im Hamburger Hafengebiet mal die Begrenzung um 500% überschritten, allerdings war auch weit und breit kein Verkehr. Als wir noch rechtzeitig das Geschäft erreicht haben, wo ich mich mit einem paar Diesel Schuhe ausgerüstet habe, stand einem Discobesuch auch nichts im Wege. Nachdem wir zu dritt im Z3 gefahren sind (wir die meisten von euch wissen ist das ein 2 Sitzer…) kamen wir ins “Aqua”. Zuerst mussten wir Eintritt zahlen, allerdings hat Hayden das Geld vom Lokalbesitzer zurückbekommen – es geht doch nichts über gute Beziehungen! Was das Gute hier ist, auch in den noblen Lokalitäten bleiben die Preise ganz normal. Das heißt die Preise für Getränke sind so wie bei uns, aber der Aussie Dollar ist nur die Hälfte eines Euros Wert! Noch dazu kommt, das Trinkgeld nur beim Essen üblich ist, was ich persönlich auch gut finde, warum soll jemand der mir nur ein Bier hinstellt auch noch saftiges Trinkgeld bekommen (die Gastronomen unter euch schreihen schon auf). Das Publikum war nicht so mein Fall, zwar lauter hübsche und durchgestylte Model Look-a-likes, aber wie wir wissen senkt das den Durchschnitts IQ im Raum meistens gewaltig. Als ich mit einem Mädel an der Bar ins Gespräch komme, frage ich sie, welche Attraktion in Melbourne ich mir als erstes Anschauen sollte. Sie antwortet: “My Bed”. Ich lache, weil ich es für einen Scherz halte, sie lacht auch, allerdings weil sie es ernst meint. Eine Andere probiert es überhaupt mit roher Gewalt, sie rempelt mich so stark an das sie mir fast die Schulter ausrenkt, dreht sich zu mir um, macht 3-mal einen Augenaufschlag (wobei sie ein halbes Kilo Wimperntusche verliert) und haucht mir zu: “Sorry Sweety…”. Und das obwohl weit und breit keine Hindernisse waren die sie zu der Kollision mit mir hätten bringen können. Mir reichts, ich wollte zwar Land und Leute kennen lernen, aber eher auf psychischer als auf physischer Ebene. Ich gehe raus und trinke mit Justin ein Bier…

Der nächste Club in den wir gehen heißt Revolver, wir waren hier schon öfter unter der Woche. Am Donnerstag zum Beispiel ist 80xs Tag, da habe ich die bescheuertsten Tanzstile meines Lebens gesehen. Als es “Like a Prayer´” spielt drehen alle völlig durch, einer springt vom Billiardtisch zum Flipper und zurück, wälzt sich danach am Boden wie ein Hund der Flöhe loswerden will und macht ansonsten überhaupt einen lustigen Eindruck. Aber an diesen Samstagabend wollen sie uns nicht reinlassen, wegen Überfüllung geschlossen. Ich will mit dem Türsteher nicht diskutieren, er schaut ziemlich stur aus, ist am ganzen Körper inklusive dem gesamtem Gesicht tätowiert, und ist wahrscheinlich frustriert darüber das er nie wieder in seinem Leben einen normalen Job annehmen kann, außer beim Zirkus vielleicht. Also gehen wir auf einen Cafe in ein italienisches Lokal. Die Sonne scheint mittlerweile sehr stark, wir sitzen draußen und essen noch eine Portion Schinken mit Kapern. Ich beschließe nach Hause zu gehen, die ersten 4 Kilometer gehe ich zu Fuß (bei 36 Grad), bis mir jemand erklärt das der Ort wo ich hin will ca. 5 Meilen entfernt ist. Da nehme ich dann ein Taxi…

Mittlerweile bin ich übrigens krank geworden, meine Mandeln sind angeschwollen. Dieses wechselhafte Wetter bekommt mir nicht, mal ist es heiß, dann wieder kühl. Daher nehme ich seit heute morgen Antibiotika, habe keine Lust 5 Tage zu verlieren weil ich im Bett liegen muss. Das heißt ich freue mich jetzt umso mehr über Mails von euch, da ich die nächsten 2 Tage sicher nicht außer Haus kann. Also: Mailt back und erzählt mir was – ein Reisender braucht Post von zu Hause, wie Luft zum atmen :)
Euer Philipp

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