Surfers Nightmare and the long way to Byron Bay
Schöne Grüsse aus Byron Bay, dem Surfermekka Australiens!
Ich bin hier seit dem 31 Dezember, Silvester habe ich bei hochsommerlichen Temperaturen verbracht – ein seltsames Gefühl, aber ich könnte mich daran gewöhnen :)
Byron Bay hat 6000 Einwohner, am Abend des 31ten waren alleine auf der Strasse vor unserem Haus 7000 Personen. Die Stadt wurde insgesamt von 40.000 Verrückten heimgesucht. Die Bewohner von Byron haben schon vor langer Zeit Maßnahmen ergriffen um dem Zirkus Einhalt zu gebieten, einer dieser Maßnahmen ist, das man zu Silvester Eintritt zahlen muss um in die Stadt zu kommen. Den Besuchern wurde geraten die Autos gleich zu Hause zu lassen. Ich kam mit meinem Auto nach fünfstuendiger Fahrt vor Byron Bays Stadtgrenze an, fünf Stunden vor Jahreswechsel. Ich wusste noch nichts davon dass man Eintritt zahlen muss. Bargeld hatte ich keines, was tun? Der nette Polizist sagt ich solle doch in die nächste Stadt fahren, ist nur 20 Kilometer entfernt (das ist für hiesige Verhältnisse echt nur ein Steinwurf). Ich fahre dorthin um festzustellen das der einzige Geldautomat “ausverkauft” ist (wie alle Automaten im Umkreis von 100 Km um Byron Bay). Also renne ich in einen Schnapsladen (Liquor Store, Alkohol gibt es in Supermärkten nicht), hier ist es üblich das man sich etwas zu trinken kauft, und dann noch mehr Bargeld auszahlen lässt, so spart man sich den Weg zum Bankomaten. Bei mir geht das natürlich nicht, die Kassiererin braucht einen Pin Code. Kein Problem, den habe ich im Auto. Also laufe ich dorthin (nur 2 Kilometer, Barfuss, auf brennheißem Asphalt) und hole mir den Pin Code den ich bisher nicht brauchte. Als ich zurückkomme muss ich feststellen dass er nicht funktioniert, an der Kassa stehen 40 Personen die sich geduldig das Drama anschauen das ich fabriziere. Ich flehe die dicke Kassiererin an, dass mir Silvester rettet, immerhin bin ich über 1000 Kilometer gefahren und ich habe keine Lust Silvester am Highway zu verbringen. Irgendwann erweichen meine nicht ganz so blauen Augen ihr Herz, sie gibt mir 300 Dollar auf Visa Rechnung, ich muss nicht einmal konsumieren. Sie hat eingesehen dass es sie mehr Geld kostet wenn ich alle aufhalte, als wenn sie mir einfach die Kohle gibt.
Zurück nach Byron Bay, ich nehme einen Hitchhiker mit in der Hoffnung dass er mir eine Abkürzung sagen kann, stattdessen bietet er mir einen Joint an. Ich drohe ihm ihn mitsamt seinen Joint aus dem fahrenden Auto zu schmeißen, da dirigiert er mich dann perfekt bis zur Stadtgrenze. Dort zahle ich dann den Eintritt für die Stadt, und trete das Gaspedal durch, das im Rückspiegel schwarzer Rauch zu sehen ist (durch diesen schaut das Gesicht eines Polizisten, kurz befürchte ich er schießt mir hinterher, um meinem Fahrstil ein Ende zu setzen). In der Stadt sind überall Straßensperren aufgebaut, ich umfahre sie als wäre ich der Buergermeister von Byron Bay, und finde das Haus in dem ich erwartet werde auf Anhieb. Ich habe absolut keine Befugnisse dort zu parken, ich parke sozusagen am Stephansplatz von Byron Bay, und das zu Silvester. Wie durch ein Wunder habe ich nicht einmal einen Strafzettel bekommen, vielleicht dachten die Polizisten das Auto kann nur einem hohen Tier gehören, ansonsten würde er es ja auch nicht hier parken.
Zu Silvester selber gibt es nicht viel zu sagen, es wird auch hier getrunken und getanzt. Das wirklich Gute ist aber, das Feuerwerk national verboten ist, das heißt die Stadt ist nicht im Kriegszustand. Um Mitternacht hat es aber ein behördlich genehmigtes Feuerwerk gegeben, wir haben es uns vom Balkon aus angeschaut.
Seither sind 7 Tage vergangen, die Strände hier sind Weltklasse, die Wellen hoch, und der Sand ist weiß. Ich habe mir einmal ein Beginnerssurfboard genommen, wir waren allerdings auf einem Strand der für seine hohen Wellen (welche noch dazu kreuz und quer verlaufen) bekannt ist. Ich versuche 20 Minuten mit dem Board hinter die Wellen zu kommen, bis ein Surfer zu mir paddelt und mich fragt ob ich Selbstmord begehen will. Nein, ich will surfen lernen. “Lernen?!?” fragt er mich. Dann soll ich doch bitte ins knietiefe Wasser gehen und dort anfangen. Na gut, mache ich. Ich erwische beim dritten Versuche eine Welle, versuche aufzustehen, und schaffe es sogar (für etwa 2 Sekunden). Vollkommen enthusiastisch paddle ich wieder etwas hinaus um weiterzumachen, als ich bemerke das ich schon seit geraumer Zeit Schmerzen auf der Brust und dem Bauch habe. Wie sich später rausstellt, ist der Grund warum Surfer spezielle T-Shirts tragen, nicht nur wegen der Sonne, sondern weil das Wachs auf dem Board sehr hart ist, und man sich damit ziemlich verletzten kann. Am Abend bluten meine Brustwarzen, mein Bauch ist völlig aufgeschürft und schmerzt sehr. Das war vor 4 Tagen, meine Brustwarzen haben mittlerweile eine schwarze Kruste und ich kann noch immer nicht auf dem Bauch schlafen. Außerdem habe ich zig andere Wunden. Als ich heute Morgen einen Tauchgang gemacht habe, befürchtete ich schon Haie anzulocken. Hier gab es 1993 eine Attacke eines weißen Haies. Angeblich war es die Honeymoonreise eines Pärchens, der Hai wollte die Braut verschlingen, der Bräutigam hat die Frau aus dem Maul des Hais gestoßen, und sich stattdessen geopfert. Ist das nicht romantisch?
Ach ja, zu meinem Tauchgang: Haie haben wir gesehen, allerdings Leppard Sharks, ich glaube die sind etwa so gefährlich wie Hauskatzen. Aber als mir einer mal entgegenschwamm, war mir schon etwas mulmig zumute, groß sind sie nämlich schon!
To be continued!
Philipp
PS: Das nächste mal nehme ich einen Laptop mit, es gibt so viel zu erzählen, mir fallen so viele Sachen ein, und wenn ich dann im blöden Internet Cafe sitze, habe ich immer ein literarisches Blackout. Die echt guten Passagen die in meinem Kopf entstehen, werden durch mein schlechtes Gedächtnis zensiert (oder durch den Alkohol, ich weiß es nicht so genau)...