Trip to Tachilek - von Chiang Mai über Mae Sai nach Burma zum Schwarzmarkt
Vorerst möchte ich mich bei allen bedanken die beim Gewinnspiel mitgemacht haben. Die richtige Antwort auf die Frage lautet Siam. Gewonnen hat Dirk “Diggler” Winkler, der als erster geantwortet hat. Herzlichen Glückwunsch. Da der Gewinner sich etwas vom Schwarzmarkt aussuchen darf, hat Dirk schon seinen Wunsch bekanntgegeben. Er will das schöne Mädchen haben, über die ich so ausführlich berichtet habe. Da ich den Menschenhandel jedoch lieber der hiesigen Bevölkerung überlasse, und mein Gepäck ohnehin nur bis 20 Kilo geht, wird es doch etwas Kleineres werden. Wie wäre es mit einem echten Tigerzahn?
Mein Reisepass ist um ein echtes Prachtstück reicher geworden. Ein echter Stempel der burmesischen Militärdiktatur! Allerdings werde ich mich hüten, damit zu prahlen in Burma gewesen zu sein, ich war gerade mal in einer Kleinstadt an der Grenze. Meine Tätigkeit beschränkte sich ausschließlich darauf, den Schwarzmarkt leerzukaufen.
Niki hat mir angeboten am Montag mit ihm nach Ta Chi Leg zu fahren, eine Stadt an der Grenze zu Burma, er hätte dort geschäftlich ein paar Dinge zu erledigen. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, und wir fuhren mit etwas Verspätung am Abend los. Die Fahrt dauert etwa 3 Stunden (wenn Niki am Steuer sitzt, sonst dauert sie sicher länger), und geht teilweise durch Berge über 250 Kilometer von Chiang Mai, fast ins Herz des Golden Triangle. Die Strasse nach Mae Sae, als auch Chiang Mai selber, wird hauptsächlich von Pick Up Trucks dominiert, am öftesten sieht man das Modell Toyota Hilux, der in punkto Zuverlässigkeit an der Spitze steht. Der Wagen ist so gefragt, das er momentan fast so viel kostet wie vor zehn Jahren, was für europäische Verhältnisse nur schwer zu begreifen ist. Niki, der ebenfalls dieses Modell fährt, hat schon so einige Abenteuer mit dem Wagen erlebt, zum Besipiel als er eines Tages bei Abenddämmerung in den Bergen steckenblieb, und dann in einem einem abgelegenen Dorf übernachten mußte, in dem die Zeit scheinbar vor etlichen Jahrzehnten angehalten wurde. Oder als er einmal zur falschen Zeit am falschen Ort war, und von einer Horde von vermeintlichen Drogenkurieren zwei Stunden lang durch die Berge Chiang Rais gehetzt wurde. Etwa zwanzig junge Kerle auf Mopeds verfolgten ihn und schmissen ihm die Heckscheibe mit Felsbrocken ein. Sein Freund, ein jüdischer Anwalt aus Frankreich, schrie wie am Spieß: “Niki, do something!!! I dont want to die!!!” worauf Niki verständlicherweise nur eine Antwort wußte: “Shut tha f*ck up, I am trying to drive.” Nach einiger Zeit konnte er ein paar abhängen, bis schliesslich nur noch 2 hinter ihnen her waren, auf einem Moped. Niki beschloss ihnen einen kleine Lekktion zu erteilen, und stieg mit voller Wucht in die Bremse, woraufhin er sah wie es die beiden im Rückspiegel durch die Luft wirbelte, nachdem sie ihm in sein Heck geknallt sind. Ich frage ihn, was er denkt was sie gemacht hätten wenn sie sie erwischt hätten, und er meint nur, na ja, das hätten sie möglicherweise nicht überlebt. Sie fuhren zur nächsten Polizeistation, die haben dann die Armee raufgeschickt, aber da waren sie alle schon weg. Niki redete mit einigen Leuten über den Vorfall, und schrieb auch einen Brief an einen Provinzpolitiker, mit dem Ergebnis das die Polizei den Gangstern ihre Mopeds wegnahm. Niki hat seither eine Eisenkette im Auto, für den Fall das die Rotzlöffel mal mit ihren neuen Maschinen vor einer Kneipe parken, wird er sie mit der Kette am Auto festbinden, und die Typen können sie sich in der nächsten Ortschaft abholen.
Nach drei Stunden kamen wir in Mae Sai an, etwas erledigt von der rumpeligen Fahrt, aber ich um ein paar spannende Geschichten reicher. Niki erklärt das das Hotel in dem wir wohnen den Charme einer russischen U-Bahn hat, und die Beschreibung trifft ziemlich gut zu. Wer noch nie eine Moskauer U-Bahn gesehen hat, Lenin war der Meinung das ein Massentransportmittel ebenso das Recht auf Stil hat, wie sagen wir mal ein Auto Stil haben kann. Folglich hängen dort überall kitschige Luster herum, wie im Ballsaal der Wiener Hofburg. Wenn man sich jetzt vorstellt ,dass das Ganze mit dem Geschhmack eines chinesischen Architekten der frühen achtzigerJahre Jahre gebaut wurde, hatt man unser Hotel vor Augen.
Am nächsten morgen kommt ein sehr früher Weckruf von Niki, er steht meißt um 5:00 auf und trinkt erst mal einige Tassen Tee. Wenn er auf Reisen ist, nimmt er dafür einen eigenen Teekoffer mit, in dem alle Utensilien vorhanden sind, die man für gepflegtes Teetrinken braucht. Von dem Hotelzimmer aus, sieht man über Burma, wo vor allem ein riesiger, goldener Tempel steht, derer es dort unzählige gibt.
Nach dem Frühstück emmigrieren wir ins Nachbarland. Vor einem Jahr noch, wurden aus der burmessichen Stadt Ta Chi Leg angeblich noch Mörsergranaten auf das thailändische Mae Sai geschossen. Heute ist jedoch alles ruhig, das passieren der Grenze geht relativ einfach, die Bürokratie ist auch erträglich. Auf der anderen Seite laufen einem Bettler mit teils fehlenden Gliedmaßen, selbsternannnte Tour Guides, und kahlgeschorene Mönche im Kindesalter enntgegen. Wir haben vorerst einmal den Schwarzmarkt im Visier, der hier noch besser sortiert ist als als in Thailand. Ausser dem üblichen Krempel gibt es chinesische Medizin (der Grossteil Potenzmittel), Tierfelle von garantiert vom Aussterben bedrohten Tieren, kleine Elefantenstosszähne die angeblich aus Elefantenknochen hergestellt werden (ich hoffe das sie von anderen Tieren stammen, seit ich vor ein paar Tagen auf einem Elefanten geritten bin, habe ich die süssen Rüsseltiere noch lieber), Armeezubehör, und chinesiche Cowboystiefel. Eine Händlerin kramt, nachdem wir ihr Vertrauen gewonnen haben, sogar einen echten Tigerzahn aus einer Lade hervor. Sie bietet ihn uns für 3500 Bhat an (70 Euro). Die Frage ob ich irgendetwas von diesen Händlern gekauft habe erübrigt sich, ich verstehe nicht warum es noch immer einen Markt dafür gibt. Schuld daran sind insbesondere die komplexbehafteten Chinesen, die noch immer glauben das das zu Pulver verriebene Horn eines Nashornes ihrer mangelnden Manneskraft auf die Sprünge helfen wird. Das ist der einzige Grund warum ich der modernen Medizin dankbar bin, das sie Mittel wie Viagra erfunden haben, welche sicher besser wirken als wenn man den Nierensaft von irgendwelchen armen Bären trinkt, oder weiß der Kuckuck was diese Idioten noch alles machen damit sie endlich können…
Aber es gibt auch durchaus sinnvolle Sachen auf dem Markt. Wir bleiben dort viel länger als geplant war, und nach etlichen Stunden kommen wir mit unzähligen blauen Plastiksäcke wieder auf thailändischen Boden an. In einem Geschäft habe ich für 900 Bhat eine Armeehängematte (auch als Tarnnetz und Sonnenschutz zu gebrauchen), ein T-Shirt, ein Schweissfeuerzeug und ein camouflage Kopftuch gekauft. Das sind gerade mal 18 Euro, und ich weiss das ich das Ganze auch noch billiger bekommen hätte. In einem Stand hat es die besten DVD Kopien gegeben die ich je gesehen habe, die schauen noch besser aus als Originale, weil sie spezielle Karrtonhüllen um die übliche DVD Verpackung haben, und so viel eleganter aussehen. Eine DVD kostet etwas über 2 Euro…
Nachdem sich Niki in Burma noch mit Wein verproviantiert hat, müssen wir noch 4 alte Steinelefanten von einem Händler abholen, bevor wir wieder nach Chiang Mai fahren. Der Pick Up ist so gut viel voll. Zum Glück fahren wir diesmal unter Tags, was mir die Gelegenheit gibt das Land zu sehen. Am Strassenrand sieht man hier und da buddhistische Schreine in denen kleine Fahnen wehen. Jede Fahne steht dann für ein Verkehrsopfer das an dieser Stelle ums Leben gekommen ist. In manchen Schreinen wird offensichtlich der Todesopfer ganzer Busse gedacht, so viele Fahnen wehen darin. Einmal sehen wir an einer Kurve ein paar Polizeiautos, vor dem Abgrund stehen etliche Leute und schauen hinunter. Hier dürfte ein paar Minuten zuvor jemand die Kontrolle über seinen Wagen verloren haben. Manchmal sieht man schwer bewaffnete Patrouillen von denen man nicht weiß ob sie jetzt zur Armee oder zur Polizei gehören. Einmal überholen wir einen Truck auf dessen Ladefläche drei schwarz gekleidete Thais mit gold umrandeten Sonnenbrillen sitzen. Neben ihnen lehnen vollautomatische Maschinengewehre. Einer von ihnen stützt sich mit der Hand auf einer Pumpgun ab, und lächelt mir verwegen zu. Es sieht aus als würde er mir sagen wollen: ” Du hast vielleicht mehr Geld als ich, aber ich habe dafür mehr Macht.”
Es gibt um diese Jahreszeit viele Waldbrände, die Feuer werden meisst gelegt, damit man kurze Zeit später etwas annbauen kann. Ganze Berge brennen gleichmäßig von oben nach unten herab, ein Zeichen dafür das der Brand nicht zufällig entstanden ist. In der Nacht haben diese Feuer teilweise recht eindrucksvoll ausgesehen, vor allem weil die Leute teilweise auch ganz einfach Berge von Zeug verbrennen das sie nicht mehr brauchen, und so schaut die Landschaft dann aus, als würde man am Abend des Ostermontags durch die ländliche Gegend Niederösterreichs fahren, wo die Osterfeuer brennen, mit dem Unterschied das man auch Waldbrände im Programm hat. Dieses sinnlose zündeln fordert auch einen hohen Tribut. Als wären die Abgase nicht schon genug, verschmutzen die ganzen Brände die Luft noch mehr. Wenn man auf einem der Berge um Chiang Mai versucht einen schönen Ausblick über die Stadt zu bekommen, wird man nicht mehr als die Häuser am Stadtrand sehen, welche in schweren Smog verschwimmen. Es gibt aber angeblich auch Jahreszeiten wo der Ausblick mehr oder weniger ungetrübt ist. Den werde ich hoffentlich auch noch zu Gesicht bekommen, wenn ich das nächste Mal nach Chiang Mai komme…
Burma, Myanmar, Birma – wie heißt das Land im golden Triangle eigentlich? Shan, Rakhaing, Chin, Kachin, Kayah, Kayin, Mon, Sagaing, Tenasserim, Irawadi, Yangon, Bago, Magwe, Mandalay – es gibt viele Regionen um die Hauptstadt. Aung San Suu Kyi ist zwar gewähltes Staatsoberhaupt und Nobelpreisträgerin, aber die Militärdikatur ist an der Macht.
Herrlich, mein Blog hat endlich Provinzkaffreichweite! Leute die so schreiben wie sie reden, und dann auch noch Quasimodo heißen – geliebtes Internet, welches keine sozialen Grenzen kennt, Du öffnest mir Tür und Tore zu wahren Gustostückerln an launen der Natur!
— Philipp Holzbauer Aug 2, 13:34 #