Wasserfall & Kangoroos
Schöne Grüsse aus Sydney, der Stadt mit der berühmtesten Oper der Welt (welche der Architekt übrigens nie mit eigenen Augen gesehen hat).
Leider ist keine Zeit für einen Bericht in dem alle Geschehnisse dokumentiert sind, daher hier nur ein paar Auszüge: Mein letzter Bericht hat im kleinen Fischerdorf Warnambool geendet, und wer sich damals schon gefragt hat was das für ein bescherter Name ist, dem möchte ich hiermit den Namen präsentieren, der dem Fass den Boden ausgeschlagen hat: “Woolloomolloo”, ist ein Stadtteil von Sydney – aber dazu später. Von der Küstenstadt ging es weiter ins Landesinnere, Petra (die Deutsche) ist mir immer brav hinterhergefahren, ich habe die Spitze übernommen nachdem sie bei jedem bescheuerten Aussichtspunkt stehen geblieben ist. Schon bald hat sich die schöne grüne Umgebung in eine ausgetrocknete, wüstenartige verwandelt. Spuren von Zivilisation werden immer seltener, zum ersten mal kommt mir in Erinnerung, das man sich sein Benzin gut einteilen muss. Dann das letzte Städtchen vor mehreren hundert Kilometern Einöde, noch mal voll tanken sowohl den Benzintank, als auch den Magen. Die Wasserflaschen vergisst man nicht, da man durch die Hitze sowieso ständig Durst hat. Ich fahre immer etwas über der Geschwindigkeitsbegrenzung, in Australien zwar nicht ratsam, aber hier rechnet man nicht mehr mit Polizei. Nach ein paar Stunden Fahrt, fährt man eine Strasse entlang, die sich durch den einen sehr trockenen “Wald” (oder besser Buschgebiet) durchschlängelt, auf der Seite der Strasse liegen viele Kangorookadaver, die man entweder sieht, oder auch nur riecht. In der Nacht sollte man hier nicht fahren, Kangoroos sind sehr nachtaktive Tiere da sie die Hitze meiden. Nach langer Fahrt kommen wir in Halls Gap an, zahlreiche Schilder weisen einen auf die strengen Artenschutzbestimmungen hin. Das beste war: “Do you know where your Cat is at the Moment?!?”. Katzen die dort ausgelassen werden, könnten den ganzen Artenbestand in Gefahr bringen. Aber habt ihr schon mal davon gehört dass jemand seine Katze mit auf Urlaub nimmt? Ich auch nicht.
Das Dorf besteht hauptsächlich aus Unterkünften, die meisten eher bescheiden, sehr viele Jugendherbergen. Als ich mich mit Petra auf die Suche begebe, begegnen wir einer anderen Deutschen. Die beiden sind sofort unheimlich Happy auf eine Landsfrau zu treffen und suchen sich zusammen ein Zimmer. Ich bin mit dem Hotel sowieso nicht zufrieden, und fahre in eine Jugendherberge am anderen Ende des Dorfes. Dort wird der Naturschutzgedanke besonders groß geschrieben: Mülltrennung, Solaranlage am Dach, eigene Hühnerfarm. Das ganze heißt sehr treffend “Eco Youth Hostel”. Am Abend lerne ich ein paar Engländer kennen (vor den Deutschen führen sie die Spitze der Touristen an), die wider Erwarten sehr gut kochen können. Steve kocht ein hervorragendes Chili, dazu gibt es Rotwein aus der 2 Liter Tetrabox. Na ja, wenn ein Engländer am Herd stand, muss ja mindestens ein Fauxpas begangen worden sein.
Bei Abenddämmerung spaziere ich hinter dem Haus herum, man hat mir gesagt dass ich vielleicht auf Kangoroos treffen könnte. Und tatsächlich, es ist zwar schon recht dunkel, aber ich treffe auf eine Herde von 6 menschengrosse Beuteltiere. Ich habe diese Tiere bisher nur im Zoo gesehen, aber wenn man sie das erste Mal in freier Wildbahn sieht, ist man sehr über diese seltsamen Wesen verwundert. Wenn sie nicht hüpfen, schlurfen sie langsam vor sich hin, die Tiere die ich sah, haben gerade einen Hintergarten eines Hauses abgegrast. Dabei ziehen sie immer ihre Beine hinterher, welche eigentlich nur zum springen, und nicht zum gehen konzipiert sind. In der Abenddämmerung hat das ein sehr unheimliche Stimmung produziert: diese Tiere, die zum Teil fast so groß wie ich waren, zu beobachten wie sie langsam auf dem Boden herumschlurfen. Obwohl sie den Kopf eines rehartigen Geschöpfs haben, erinnern sie einen teilweise doch an menschengroße Ratten, zumindest dachte ich mir das in diesem Moment. Sobald sie zum hüpfen anfangen, verfliegt dieser Eindruck jedoch, aber das sollte ich an diesem Abend noch nicht zu Gesicht bekommen.
Am nächsten Tag bin ich mit einem jungen Kanadier, welcher aus seiner Heimatstadt (ein 350 Seelen Kaff in the Middle of Nowhere) geflüchtet ist, und einem Schweizer Richtung Berge aufgebrochen. Zuerst klettern wir durch einen Canyon aus roten Felsen, dann wird es uns zu heiß, wir suchen einen Wasserfall der in der Nähe sein soll (in der Nähe bedeutet hier 45 Minuten mit dem Auto zu fahren, und dann noch mal halb solang zu Fuß zu gehen). Als wir ankommen traue ich meinen Augen nicht: ein 30 Meter hoher Wasserfall, am Fuße ein Naturbecken in dem man nicht nur schwimmen kann, sondern in das man auch von großen Felsen Reinspringen kann. Darin (noch) kein einziger Mensch! Wir springen alle drei sofort ins Wasser und fühlen uns wie in der blauen Lagune. Über unsere Köpfe fliegen Kakadus und andere Papageien, jetzt fehlt nur Tarzan auf einer Liane (Jayne wäre mir lieber)x Es hat 39 Grad, aber ich habe einen sehr starken australischen Sonnenschutz dabei (riecht wie eine Chemiefrabrik, aber Hauptsache man bekommt kein Hautkrebs). Außerdem Fallen solche gigantischen Wassermassen von der Klippe, das man einer ständigen Druckwelle ausgesetzt ist, welche einen konstanten Gegenwind produziert. Wenn man unter den Wasserfall stehen will, muss man erst hinschwimmen, dabei wird der Gegendruck immer stärker je näher man kommt. Aber sobald man dort ist, kann man sich unter die Fluten stellen. Nicht überall, an den meisten Stellen würde man sich wahrscheinlich sogar verletzen weil der Druck so stark ist.
To be continued…
PS: Lieber Papa, deine Oper in Amsterdam ist natürlich auch nicht zu verachten, aber die in Sydney hat sicherlich den größten Wiedererkennungswert :)
Kurzbericht:
Nur soweit: Mir geht es gut, ich komme am 28 Jänner um ca. 8:15 in Vienna an. Empfangskomitee ist obligatorisch!
Ich habe mich heute trotz meines neuen sexy “Reshsuit” wider verletzt, diesmal ist soviel Blut geflossen das sogar die Leute in der Apotheke die Hände vors Gesicht geworfen haben. Bin nun bandagiert und habe schwere Abschürfungen im Gesicht. Die Finger selber sind etwas rissig, und haben Locher. Habe vom surfen mehr Verletzungen bekommen als vom skaten in 4 Jahren. Trage z.Z. eine Armbandage, darunter schaut es gruselig aus. Zum Glück hat mir die Sharkfin nicht das Auge ausgestochen. Aber was erzähle ich. Hier sind Leute interessant die in “Teahopoo” (?) surfen, wer dort vom Brett fällt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit sofort tot (Laird Hamilton ist dort der “Gott”), die Wellen sind so groß das man einen Jumbojet darunter parken könnte. In Byron Bay passt gerade mal 1 PWK rein.
Sonst alles ok. Bin noch immer in Byron Bay (aber nicht mehr lange). Bin in der Youth Hostel als der Selbstmörder bekannt den man ständig sagen muss: “Take care!”, und das ist nicht rethorisch gemeint.
Also, macht es gut!
Philipp
PS: Das heißt noch lange nicht, dass ich schon gut surfen kann, aber Übung macht den Surfer :)